Was bedeutet ein positiver Pflastertest für den Alltag?
Ein positiver Pflastertest (Epikutantest) zeigt zunächst nur, dass Ihr Immunsystem Abwehrzellen gegen einen Stoff gebildet hat. Wie der Test abläuft und wann er abgelesen wird, erklärt der Ratgeber zum Allergietest beim Hautarzt.
Für den Alltag zählt eine zweite Einschätzung: Die Ärztin bewertet, ob die Reaktion aktuell wichtig ist. Das ist sie, wenn sie zu Ihren Beschwerden passt. Sonst gilt sie als früher wichtig oder unklar. Nur im ersten Fall müssen Sie den Stoff konsequent meiden.
Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts hatten 12,7 Prozent der Frauen und 3,4 Prozent der Männer irgendwann ein allergisches Kontaktekzem. Nickel, Duftstoffe und Haarfärbemittel gehören zu den häufigsten Auslösern. Für alle drei gibt es EU-weite Regeln zur Begrenzung oder Kennzeichnung.
Schmuck und Verschlüsse dürfen höchstens 0,5 Mikrogramm Nickel je Quadratzentimeter und Woche abgeben, Stifte in Ohrlöchern höchstens 0,2 Mikrogramm. Rund 80 Duftstoffe müssen Hersteller ab dem 31. Juli 2026 einzeln nennen. Die Schwelle liegt bei 0,001 Prozent für Produkte auf der Haut und bei 0,01 Prozent für Produkte zum Abspülen. Haarfärbemittel dürfen höchstens 2 Prozent PPD enthalten.
| Stoff | Wo er vorkommt | Grenzwert oder Regel | Kennzeichnung |
|---|---|---|---|
| Nickel | Schmuck, Gürtelschnallen, Reißverschlüsse, Brillengestelle | 0,5 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche, bei Stiften in Ohrlöchern 0,2 Mikrogramm | Keine eigene Kennzeichnung, nur die Grenze |
| Duftstoffe | Cremes, Parfum, Shampoo, Duschgel, Sonnenschutz | Kennzeichnung ab 0,001 Prozent (Produkte, die auf der Haut bleiben) oder 0,01 Prozent (Produkte zum Abspülen) | Rund 80 Stoffe einzeln in der Inhaltsstoffliste ab 31. Juli 2026 |
| Paraphenylendiamin (PPD) | Dauerhafte Haarfärbemittel | Höchstens 2 Prozent | Warnhinweise auf der Packung, unter anderem gegen das Färben bei gereizter Kopfhaut |
Wie meiden Sie Nickel im Alltag?
Trotz der Grenzwerte steckt Nickel in Schmuck, Gürtelschnallen, Reißverschlüssen, Brillengestellen und manchem Küchengeschirr. Manche Legierungen halten die Grenze im Neuzustand ein und überschreiten sie erst nach Abrieb oder Korrosion.
- Wählen Sie bei längerem Hautkontakt Schmuck aus chirurgischem Edelstahl, Titan oder beschichtetem Material statt aus unbekannten Legierungen.
- Ein Nickeltest aus der Apotheke zeigt in wenigen Minuten, ob ein Gegenstand Nickel abgibt. Ein negatives Ergebnis schließt geringe Mengen aber nicht sicher aus.
- Tragen Sie neue Ohrringe zuerst mit einem dünnen Klarlack überzogen, bis Sie sicher sind, dass Sie die Legierung vertragen.
- Achten Sie bei Handyhüllen, Gürteln und Taschen mit Metallbeschlägen auf Stellen mit dauerhaftem Hautkontakt, etwa am Handgelenk oder am Bauch.
- Fragen Sie im Fachhandel gezielt, ob das Produkt die EU-Grenze für Nickel einhält, wenn Sie etwas für den täglichen Hautkontakt kaufen.
Welche Duftstoffe müssen Hersteller kennzeichnen?
Ab dem 31. Juli 2026 muss neue Kosmetik rund 80 Duftstoffe, die Allergien auslösen können, einzeln auf der Verpackung nennen. Bisher waren es 26. Grundlage ist eine Bewertung des Wissenschaftlichen Ausschusses für Verbrauchersicherheit der EU, der 56 weitere Stoffe als Kontaktallergene eingestuft hat. Bei Produkten, die auf der Haut bleiben, wie Cremes, Lotionen und Sonnenschutz, gilt die Pflicht ab mehr als 0,001 Prozent. Bei Produkten zum Abspülen, wie Shampoo und Duschgel, gilt sie ab mehr als 0,01 Prozent.
Ware, die schon im Handel ist und die alte Kennzeichnung trägt, darf noch bis zum 31. Juli 2028 verkauft werden. Wer auf einen bestimmten Duftstoff reagiert, findet seinen Namen deshalb erst nach und nach auf den Produkten.
Was gilt bei Haarfarbe und PPD-Allergie?
Paraphenylendiamin (PPD) ist eines der zehn häufigsten Kontaktallergene. In dauerhaften Haarfärbemitteln ist es auf höchstens 2 Prozent begrenzt, und auf der Packung müssen Warnhinweise stehen. Sie verbieten das Färben unter anderem bei Ausschlag im Gesicht, bei gereizter oder verletzter Kopfhaut und nach früheren Reaktionen auf Haarfärbemittel. Auch nach einer Reaktion auf ein temporäres Tattoo mit schwarzem Henna sollten Sie nicht färben. Solche Tattoos können das Allergierisiko erhöhen.
Verwandte Stoffe stecken auch in dunklen Textilfarben. Wer beim Friseur oder mit einem Färbeset reagiert hat, achtet bei unerklärlichen Hautreaktionen an anderen Stellen auch auf dunkel gefärbte Kleidung.
Was steht im Allergiepass und wer stellt ihn aus?
Ein Allergiepass (Kontaktallergie-Pass) listet alle Stoffe auf, auf die Ihr Pflastertest positiv war. Dazu steht die Bewertung der Ärztin: aktuell wichtig, früher wichtig oder unklar. Ausgestellt wird er von der Hautärztin oder dem Allergologen, die den Test abgelesen haben, meist gleich nach der letzten Ablesung nach 72 Stunden.
Der Pass ersetzt kein Gedächtnis. Wer mehrere Stoffe testen ließ, vergisst leicht, welche Bezeichnung auf der Verpackung zu welchem Stoff gehört. Ein Duftstoff steht zum Beispiel unter seinem lateinischen Pflanzennamen in der Inhaltsstoffliste. Der Pass nennt deshalb möglichst auch die Bezeichnung nach der internationalen Inhaltsstoffliste (INCI). So gleichen Sie sie mit der Liste eines neuen Produkts ab und müssen nicht jedes Mal in der Praxis nachfragen.
Den Allergiepass im Alltag nutzen
- Lassen Sie sich nach dem letzten Ablesetermin den Pass aushändigen, mit allen getesteten Stoffen und ihrer Bewertung. Eine mündliche Zusammenfassung reicht nicht.
- Tragen Sie den Pass bei sich, besonders bei Terminen beim Arzt, Zahnarzt oder im Kosmetikstudio. Dort kommen oft Cremes, Handschuhe oder Metallinstrumente zum Einsatz.
- Gleichen Sie bei neuen Produkten die Inhaltsstoffliste mit den Stoffen im Pass ab, bevor Sie das Produkt zum ersten Mal verwenden.
- Lassen Sie den Pass bei neuen, unklaren Hautreaktionen von der Hautärztin ergänzen, statt ihn über Jahre ungeprüft zu verwenden.
- Vereinbaren Sie einen neuen Termin, wenn Sie trotz Meidung der bekannten Stoffe starke oder großflächige Reaktionen haben. Im Lauf der Zeit können weitere Allergien hinzukommen.
Muss ich bei Kontaktallergie alles ganz meiden?
Ob ein Stoff ganz aus Ihrem Alltag verschwinden muss oder Vorsicht reicht, hängt von zwei Dingen ab: von der Konzentration und davon, wie lange der Stoff auf Ihrer Haut bleibt.
Hat die Ärztin den Stoff im Pass als aktuell wichtig bewertet?
Hat der Stoff dauerhaft direkten Hautkontakt, etwa als Schmuck oder tägliches Pflegeprodukt?
Meiden Sie das Produkt konsequent. Prüfen Sie Alternativen anhand der Inhaltsstoffliste oder eines nickelfreien Materials, bevor Sie es erneut verwenden.
Bei seltenem oder kurzem Kontakt reicht oft mehr Vorsicht. Tragen Sie zum Beispiel Handschuhe oder testen Sie an einer kleinen Hautstelle, bevor Sie das Produkt ganz anwenden.
Bei nur früher wichtiger oder unklarer Bedeutung ohne aktuelle Beschwerden reicht meist Beobachtung. Besprechen Sie mit der Ärztin, ob ein neuer Test nötig ist, bevor Sie das Produkt vorsorglich meiden.
Häufige Fragen
Bedeutet ein positiver Pflastertest, dass Sie den Stoff nie wieder berühren dürfen?
Nein, ein positiver Pflastertest verbietet nicht jeden Kontakt mit dem Stoff. Er zeigt zunächst nur, dass Ihr Körper auf den Stoff reagieren kann. Meiden Sie den Stoff konsequent, wenn die Ärztin die Reaktion als aktuell wichtig bewertet, weil sie zu Ihren Beschwerden passt. Bei früher wichtiger oder unklarer Bedeutung reicht oft Beobachtung.
Wie viel Nickel darf Modeschmuck abgeben?
Schmuck mit längerem Hautkontakt darf höchstens 0,5 Mikrogramm Nickel je Quadratzentimeter und Woche abgeben. Für Stifte in durchstochenen Körperteilen wie Ohrlöchern gilt die strengere Grenze von 0,2 Mikrogramm.
Welche Duftstoffe muss Kosmetik ab 2026 einzeln nennen?
Neue Kosmetik muss ab dem 31. Juli 2026 rund 80 Duftstoffe, die Allergien auslösen können, einzeln nennen. Die Pflicht gilt ab 0,001 Prozent in Produkten auf der Haut und ab 0,01 Prozent in Produkten zum Abspülen. Ware, die schon im Handel ist und die alte Kennzeichnung trägt, darf noch bis zum 31. Juli 2028 verkauft werden.
Ist ein als PPD-frei beworbenes Haarfärbemittel automatisch unbedenklich?
Nein, auch ohne PPD können andere Farbstoffe eine ähnliche Reaktion auslösen, denn auch verwandte Stoffe können Reaktionen hervorrufen. Verlassen Sie sich bei bekannter Kontaktallergie nicht allein auf die Werbeaussage PPD-frei, sondern gleichen Sie die Inhaltsstoffliste mit Ihrem Allergiepass ab.
Wer stellt einen Allergiepass aus?
Die Hautärztin oder der Allergologe, die den Pflastertest durchgeführt haben, stellen den Pass nach der letzten Ablesung nach 72 Stunden aus.
