Hautärzteverzeichnis

Ratgeber

Pollenflugkalender für Allergiker, Monat für Monat

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Hasel und Erle blühen von Januar bis April, Esche und Birke von März bis Mai, Gräser und Roggen ab Mai, Beifuß und Ambrosia von Juli bis Oktober. Diese acht Pollenarten lösen über 90 Prozent aller Pollenerkrankungen aus. Wer auf Birke reagiert, spürt oft auch bei rohem Obst oder Nüssen ein Kribbeln im Mund.

Pollenerkrankungen durch acht Pollenarten
über 90 Prozent
Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, Pollenflugkalender, Stand 28. November 2023
Erwachsene mit einer Allergie (ohne Asthma)
28,1 Prozent
Robert Koch-Institut, Journal of Health Monitoring 1/2017, GEDA 2014/2015-EHIS, Stand 15. März 2017
Erwachsene mit Nahrungsmittelallergie
3,7 Prozent
AWMF-Register 061-031, Update Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien, Worm et al. 2021, Stand 30. Juni 2021
Birkenzweige mit gelben Blütenkätzchen vor blauem Frühlingshimmel
Birkenblüten im Frühling setzen Pollen frei, auf die viele Menschen allergisch reagieren. Bild: KI generiert.

Welche Pollen fliegen in welchem Monat?

Acht Pollenarten sind für über 90 Prozent aller Pollenerkrankungen in Deutschland verantwortlich: Hasel, Erle, Esche, Birke, Süßgräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst misst ihren Flug. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) veröffentlicht täglich einen Gefahrenindex für heute, morgen und übermorgen.

Nach Daten des Robert Koch-Instituts hatten 28,1 Prozent der Erwachsenen in den vergangenen zwölf Monaten eine allergische Erkrankung außer Asthma. Wer weiß, wann seine Pollenart beginnt, kann verordnete Medikamente schon vor den ersten Beschwerden nehmen und muss nicht warten, bis die Nase läuft.

Die Pollensaison beginnt im Winter mit Hasel und Erle, meist im Januar, bei mildem Wetter schon im Dezember. Sie endet im Herbst mit Beifuß und Ambrosia im Oktober. Den Höhepunkt haben die Arten zu verschiedenen Zeiten: Hasel im Februar, Birke im April, Gräser im Juni und Anfang Juli, Beifuß im August.

Blühzeit der acht wichtigsten Pollenarten in Deutschland, abgelesen aus dem Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (Messdaten 2016 bis 2021).
PollenartBlüht meist von bisHöhepunkt
HaselJanuar bis April, in milden Wintern schon im DezemberFebruar
ErleJanuar bis AprilFebruar und März
EscheMärz bis MaiApril
BirkeMärz bis MaiApril
SüßgräserMai bis SeptemberJuni bis Mitte Juli
RoggenMai bis JuliJuni
BeifußJuli bis OktoberAugust
AmbrosiaJuli bis OktoberAugust bis Anfang September

Warum verschiebt sich der Pollenflug von Jahr zu Jahr?

Mehrere Pollenarten beginnen heute früher zu fliegen als in älteren Kalendern. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst nennt Esche, Birke, Gräser und Beifuß. Beifuß fliegt außerdem länger. Die Veränderungen sind nicht überall gleich: Der Beginn des Gräserpollenflugs hat sich im Norden stärker verschoben als in Süddeutschland.

Wer in mehreren Regionen lebt oder reist, kann sich deshalb nicht allein auf einen bundesweiten Kalender verlassen. Die Stiftung bietet Kalender für den Norden, die Mitte und den Osten, den Süden und den Westen an. Ambrosia blüht am spätesten, ihre Blüte reicht bis in den Oktober, wenn andere Pollenarten längst abgeklungen sind.

Warum kribbelt der Mund nach rohem Obst?

Ein Kribbeln im Mund nach rohem Obst, Gemüse oder Nüssen heißt bei Pollenallergikern Kreuzallergie oder pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie. Der Körper verwechselt ein Eiweiß im Pollen mit einem sehr ähnlichen Eiweiß im Lebensmittel. Typisch sind Jucken, Kribbeln oder leichtes Brennen an Lippen, Mundschleimhaut und Rachen wenige Minuten nach dem Essen, meist nur bei rohen Lebensmitteln. Fachleute sagen auch orales Allergiesyndrom.

Am besten erforscht ist die Kreuzreaktion mit Birkenpollen. Deren Hauptallergen heißt Bet v 1. Es ähnelt Eiweißen in Äpfeln, Kirschen, Pfirsichen, Haselnüssen, Karotten und Sellerie so stark, dass die Antikörper gegen Birkenpollen auch dort andocken. Bei Beifußpollen kommt vor allem Sellerie in Frage. Bei Gräserpollen sind es Eiweiße, die in vielen Pflanzen vorkommen (Profiline), etwa in Melone, Banane, Avocado und Mango.

Welche Lebensmittel bei welcher Pollenallergie häufig Beschwerden auslösen.
Pollenallergie gegenHäufig betroffene LebensmittelVerantwortliches Eiweiß
BirkeKern- und Steinobst wie Apfel, Birne, Kirsche und Pfirsich, dazu Haselnuss, Karotte, Sellerie und SojaBet v 1 und ähnliche Eiweiße, im Apfel Mal d 1, im Sellerie Api g 1
BeifußSellerieEin bisher unbekanntes Eiweiß
SüßgräserMelone, Banane, Avocado, Mango, auch Apfel und KarotteProfiline, zum Beispiel Phl p 12
Beifuß und Sellerie zugleichSellerieBisher unbekanntes Eiweiß, schwere Reaktionen sind beschrieben

So geht die Ärztin vor: Sie fragt nach Ihren Beschwerden, macht einen Hauttest oder Bluttest und lässt Sie bei unklarem Ergebnis das Lebensmittel unter Aufsicht essen. Bei Verdacht auf eine Kreuzreaktion mit Birkenpollen testet sie meist mit Birkenpollen-Lösung oder misst die Antikörper gegen Bet v 1. Fertige Obst- und Gemüseextrakte sind dafür oft ungeeignet, weil die Eiweiße instabil sind. Ein Test mit dem frischen Lebensmittel direkt auf der Haut ist empfindlicher, aber weniger treffsicher. Wie ein Hauttest abläuft, erklärt der Ratgeber zum Allergietest beim Hautarzt.

Wie bereiten Sie sich auf die Pollensaison vor?

Der Kalender hilft am meisten, wenn Sie ihn nutzen, bevor die Beschwerden beginnen.

  1. Schauen Sie im Kalender, wann Ihre Pollenart meist zu fliegen beginnt. Starten Sie ein vom Arzt verordnetes Dauermedikament schon davor, wenn die Ärztin eine Behandlung vor der Saison geplant hat.
  2. Führen Sie in der ersten Saison ein kurzes Beschwerdetagebuch mit Datum und Stärke der Beschwerden. Die Hautärztin gleicht es mit dem Kalender und dem Allergietest ab.
  3. Meiden Sie bei bekannter Kreuzreaktion die betroffenen rohen Lebensmittel, besonders in der Hauptzeit Ihrer Pollenart, weil die Beschwerden dann oft stärker sind.
  4. Klären Sie vor Reisen in andere Regionen oder Länder, ob dort dieselben Pollenarten früher oder später fliegen, damit Sie Ihre Medikamente rechtzeitig beginnen.

Was hilft im Alltag gegen das Kribbeln im Mund?

Am wichtigsten ist, das Lebensmittel in der Form zu meiden oder zu verändern, die Beschwerden macht.

  • Beschwerden durch Eiweiße, die mit Bet v 1 verwandt sind, lassen oft nach, wenn Sie das Obst erhitzen, etwa als Apfelmus statt als rohen Apfel.
  • Kern- und Steinobst, Sellerie und Nüsse essen Sie in der Hauptzeit Ihrer Pollenart besser nicht roh, weil Ihr Immunsystem dann stärker reagiert.
  • Ein Allergiepass mit den getesteten Auslösern hilft beim Einkauf und im Restaurant, riskante Lebensmittel schneller zu erkennen.
  • Bei Kribbeln im Mund nach einem neuen Lebensmittel testen Sie nicht auf eigene Faust weiter. Lassen Sie es bei der Allergologin abklären.
Reicht Erhitzen aus?

Reagieren Sie nur mit Jucken oder Kribbeln im Mund?

Ja

Bessern sich die Beschwerden, wenn Sie das Lebensmittel erhitzen, etwa als Kompott statt roh?

Ja

Das spricht für ein hitzeempfindliches Eiweiß, das mit dem Birkeneiweiß Bet v 1 verwandt ist. Erhitzte Lebensmittel vertragen die meisten Betroffenen.

Nein

Das Eiweiß hält Hitze aus, zum Beispiel ein Lipidtransferprotein. Lassen Sie das bei der Allergologin abklären, bevor Sie das Lebensmittel weiter essen.

Nein

Beschwerden außerhalb des Mundes, etwa Quaddeln am Körper oder Atemnot, sind keine leichte Reaktion mehr. Meiden Sie das Lebensmittel und lassen Sie sich bei der Allergologin abklären. Bei Atemnot rufen Sie sofort die 112.

Häufige Fragen

Wann beginnt die Birkenpollensaison?

Die Birkenpollensaison beginnt meist im März und dauert bis in den Mai, vereinzelt bis in den Juni. Den Höhepunkt hat die Birke im April. Die Birkenpollenallergie ist in Mitteleuropa häufig.

Warum reagieren Menschen mit Birkenpollenallergie oft auch auf Apfel und Haselnuss?

Das Hauptallergen der Birke, Bet v 1, ähnelt Eiweißen in Apfel, Haselnuss und anderen Kern- und Steinobstsorten so stark, dass die Antikörper gegen Birkenpollen auch dort andocken. Diese Kreuzreaktion löst die typischen Kribbel- und Juckreizbeschwerden im Mund aus, das orale Allergiesyndrom.

Hilft Erhitzen bei jeder Kreuzallergie mit Pollen?

Nein, Erhitzen hilft nur bei hitzeempfindlichen Eiweißen wie Bet v 1 und seinen Verwandten. Eiweiße, die Hitze und Säure aushalten, zum Beispiel Lipidtransferproteine, lösen Beschwerden auch nach dem Kochen aus. Deshalb klärt eine Allergologin solche Fälle einzeln ab.

Woran erkenne ich, welche Pollenart bei mir die Beschwerden auslöst?

Ein Hauttest oder ein Bluttest auf Allergie-Antikörper beim Hautarzt zeigt, gegen welche Pollenart Sie Antikörper haben. Die Ärztin gleicht das Ergebnis mit Ihrem Beschwerdetagebuch und dem Pollenflugkalender ab, um den Auslöser zu bestimmen.

Brauchen Sie bei einer Pollenallergie mit Kribbeln im Mund einen Adrenalin-Pen?

Die meisten Menschen mit reinen Beschwerden im Mund brauchen keinen Adrenalin-Pen. Bei Reaktionen im ganzen Körper, etwa nach Soja, Nüssen oder hitzestabilen Eiweißen, entscheidet die Allergologin, ob ein Notfallset nötig ist.

Gibt es einen Pollenflugkalender für meine Region?

Ja, die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst bietet Pollenflugkalender für den norddeutschen, den mittel- und ostdeutschen, den süddeutschen und den westdeutschen Raum an. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht täglich eine Vorhersage für heute, morgen und übermorgen.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Update Leitlinie zum Management IgE-vermittelter Nahrungsmittelallergien, AWMF-Registernummer 061-031, S2k-Leitlinie der DGAKI, Worm et al., Allergologie 2021; 44: 488-541, Stand Juni 2021, Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI),
  2. Pollenflugkalender: Blütezeiten der acht Hauptpollenarten in Deutschland, Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst,
  3. Pollenflug-Gefahrenindex: acht Pollenarten, Vorhersage für drei Tage, Deutscher Wetterdienst,
  4. Heuschnupfen, IQWiG, gesundheitsinformation.de,
  5. 12-Monats-Prävalenz von Allergien in Deutschland, Journal of Health Monitoring 1/2017, Robert Koch-Institut,

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Diese Angaben haben den Stand vom 27. September 2026.