Was passiert bei einer Hautbiopsie in der Praxis?
Eine Hautbiopsie ist ein kleiner Eingriff. Die Ärztin entnimmt nach einer Betäubungsspritze Gewebe aus einer auffälligen Hautstelle. Biopsie bedeutet Gewebeprobe. Die Probe geht in ein Labor und wird dort als dünner Schnitt unter dem Mikroskop untersucht. Erst diese Untersuchung stellt nach dem Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums endgültig fest, ob eine Stelle Hautkrebs ist.
Welche Art der Entnahme die Ärztin wählt, hängt von Größe, Lage und Verdacht ab. Kleine, gut abgrenzbare Stellen entfernt sie möglichst ganz. Bei Verdacht auf ein Melanom, den schwarzen Hautkrebs, empfehlen die Fachärzte für diese Krankheit genau das. Der ganze Fleck wird mit einem Rand von ungefähr 2 Millimetern ausgeschnitten, in die Tiefe bis ins Fettgewebe. Ein größerer Rand würde Lymphbahnen zerstören, die später für die Untersuchung der Lymphknoten gebraucht werden.
Vier Arten der Entnahme sind üblich. Welche passt, hängt von der Stelle und vom Verdacht ab.
| Art | Was entnommen wird | Wann sie passt | Worauf Sie achten |
|---|---|---|---|
| Ausschneiden der ganzen Stelle (Exzisionsbiopsie) | Die ganze Stelle mit schmalem Rand, danach eine Naht | Kleine, gut abgrenzbare Stellen und jeder Melanomverdacht | Bei Melanomverdacht rund 2 mm Rand und Tiefe bis ins Fettgewebe |
| Stanze (Stanzbiopsie) | Ein runder Gewebezylinder aus einem Teil der Stelle | Große Stellen und Stellen im Gesicht, an Händen und Füßen | Erfasst tiefere Hautschichten, aber nicht die ganze Stelle |
| Flaches Abtragen (Shave) | Eine oberflächliche Scheibe | Manche Formen des hellen Hautkrebses | Bei Melanomverdacht nicht empfohlen, weil Rand und Tiefe nicht sicher zu beurteilen sind |
| Teilprobe aus einem großen Tumor | Ein Ausschnitt aus einer großen, flächigen Veränderung | Große Veränderungen im Gesicht oder an Händen und Füßen | Die Ärztin gibt dem Labor die genaue Entnahmestelle an, oft mit Foto |
Bei großen, flächigen Veränderungen im Gesicht oder an Händen und Füßen erlauben die Fachärzte auch eine Probe aus einem Teil der Stelle. Mehrere Studien zeigen, dass sich die Prognose dadurch nicht verschlechtert. Wichtig ist dann die Absprache mit dem Labor: Die Ärztin muss angeben, dass es eine Teilprobe ist und wo genau sie entnommen wurde.
Aufklärung
Die Ärztin erklärt Ihnen, warum sie die Probe entnimmt, wie sie vorgeht und welche Folgen und Risiken der Eingriff hat.
Örtliche Betäubung
Eine Spritze betäubt die Haut rund um die Stelle.
Entnahme
Die Ärztin schneidet, stanzt oder trägt das Gewebe ab und verschließt die Wunde je nach Art mit einer Naht.
Versand ins Labor
Die Probe geht an ein Labor, das auf Haut spezialisiert ist.
Gespräch über das Ergebnis
Nach etwa 1 bis 2 Wochen bespricht die Praxis das Ergebnis mit Ihnen und klärt, ob etwas nachfolgt.
Bei Verdacht auf Hautkrebs ist die Biopsie Kassenleistung. Nur wenn Gewebe ohne medizinischen Grund entfernt wird, etwa ein Muttermal aus kosmetischen Gründen, zahlen Sie Entfernung und Laboruntersuchung selbst.
Wann bekommen Sie das Ergebnis der Hautbiopsie?
Das Ergebnis der Laboruntersuchung heißt Befund. Sie erhalten es nach Angaben des Krebsinformationsdienstes in der Regel nach etwa 1 bis 2 Wochen. In dieser Zeit wird das Gewebe im Labor aufbereitet, in dünne Schnitte zerlegt und unter dem Mikroskop beurteilt. Die Praxis bespricht das Ergebnis mit Ihnen. Bei einer Krebsdiagnose planen Sie dabei die nächsten Schritte.
Sie haben ein Recht darauf, das Ergebnis zu verstehen und schwarz auf weiß zu bekommen. Die Ärztin muss Ihnen die Diagnose und die weitere Behandlung verständlich erklären. Sie können Einsicht in Ihre Patientenakte verlangen und Kopien anfordern, auch elektronisch. Die erste Kopie ist kostenlos.
Was bedeuten die Angaben im Melanom-Befund?
Beim Melanom ist die Dicke des Tumors die wichtigste Angabe. Im Befund heißt sie Tumordicke nach Breslow. Das Labor misst sie in Millimetern von der obersten Zellschicht der Oberhaut bis zur tiefsten Tumorzelle. Dazu kommt die Angabe, ob der Tumor die Oberhaut durchbrochen hat und ein Geschwür bildet (Ulzeration). Beide Angaben gehören bei einem Melanom immer dazu.
Aus Dicke und Geschwür ergibt sich die T-Kategorie. Im Ergebnis steht sie mit einem kleinen p davor, etwa pT1a, weil sie am entfernten Gewebe bestimmt wurde. Die Buchstaben a und b unterscheiden Tumoren ohne und mit Geschwür. Die Einteilung gilt seit 2018.
Die Kategorie pT1 gilt bis 1,0 mm Dicke, pT2 über 1,0 bis 2,0 mm, pT3 über 2,0 bis 4,0 mm und pT4 über 4,0 mm. Bei pT1 gilt: Ab 0,8 mm Dicke steht immer ein b dahinter, darunter nur bei einem Geschwür.
| Kategorie | Dicke des Tumors | a: ohne Geschwür | b: mit Geschwür |
|---|---|---|---|
| Tis | Melanom in situ, auf die Oberhaut beschränkt | keine Unterteilung | keine Unterteilung |
| T1 | bis 1,0 mm | T1a: unter 0,8 mm | T1b: unter 0,8 mm mit Geschwür oder 0,8 bis 1,0 mm |
| T2 | über 1,0 bis 2,0 mm | T2a | T2b |
| T3 | über 2,0 bis 4,0 mm | T3a | T3b |
| T4 | über 4,0 mm | T4a | T4b |
Weitere Angaben sind freiwillig. Dazu zählen eine Zone, in der der Körper Tumorgewebe abgebaut hat (Regression), und Einbrüche in Blutgefäße. Die Fachärzte unterscheiden vier Melanomtypen, die ebenfalls im Ergebnis stehen können:
- Superfiziell spreitendes Melanom: wächst zuerst flach in der Oberhaut
- Knotiges (noduläres) Melanom: wächst früh in die Tiefe
- Lentigo-maligna-Melanom: entsteht auf stark sonnengeschädigter Haut, meist im Gesicht
- Akrolentiginöses Melanom: wächst an Handflächen, Fußsohlen und unter den Nägeln
Was folgt, wenn im Ergebnis ein Melanom steht?
Nach der Diagnose Melanom folgt in der Regel eine zweite Operation mit Sicherheitsabstand. Das ist ein Rand gesunder Haut, der rund um die Narbe zusätzlich entfernt wird, damit keine Tumorzellen zurückbleiben. Er richtet sich nach der Dicke: 1 Zentimeter bei pT1 und pT2, also bis 2 Millimeter Dicke, und 2 Zentimeter bei pT3 und pT4. Bei einem Melanom in situ hat sich außerhalb des Gesichts ein Abstand von 5 Millimetern etabliert.
Im Ergebnis zeigt die Angabe R, ob der Tumor vollständig entfernt ist. R0 heißt: kein Tumorrest nachweisbar. R1 bedeutet einen Rest, der nur unter dem Mikroskop sichtbar ist, R2 einen sichtbaren Rest. Bei R1 und R2 sollen die Ärzte nachoperieren, wenn sich so ein tumorfreier Rand erreichen lässt.
Welcher Schritt folgt, hängt von wenigen Fragen ab. Die endgültige Entscheidung trifft Ihre behandelnde Ärztin im Einzelfall.
Steht im Ergebnis ein Melanom oder ein Melanom in situ?
Ist der Tumor 1,0 mm oder dicker, ohne Hinweis auf Metastasen?
Die Fachärzte empfehlen die Nachoperation mit 1 oder 2 cm Sicherheitsabstand und die Untersuchung des Wächterlymphknotens. Danach richtet sich auch die Nachsorge.
Es folgt die Nachoperation mit Sicherheitsabstand. Bei 0,75 bis 1 mm und Risikofaktoren wie Geschwür, häufigen Zellteilungen oder einem Alter unter 40 Jahren kommt die Lymphknoten-Untersuchung ebenfalls infrage.
Steht im Ergebnis ein heller Hautkrebs?
Entscheidend ist, ob die Schnittränder frei sind. Wenn nicht, wird nachgeschnitten, und die weitere Behandlung richtet sich nach Art und Risiko des Tumors.
Bei einem gutartigen, vollständig entfernten Ergebnis ist die Behandlung meist abgeschlossen. Weitere Kontrollen richten sich nach Ihrem Hautkrebsrisiko.
Der Wächterlymphknoten ist der erste Lymphknoten im Abflussgebiet des Tumors. Er wird mit einer radioaktiv markierten Substanz aufgespürt, entfernt und im Labor untersucht. Die Fachärzte empfehlen das ab 1,0 mm Dicke, wenn keine Metastasen bekannt sind. Nach dieser Untersuchung richtet sich die Nachsorge nach einem Melanom, die zehn Jahre dauert.
Was steht im Befund eines hellen Hautkrebses?
Heller Hautkrebs kommt in zwei Hauptformen vor: dem Basalzellkarzinom und dem Plattenepithelkarzinom. Für Letzteres muss das Ergebnis nach den Empfehlungen der Fachärzte neben der Diagnose fünf Angaben enthalten. Sie beschreiben das Risiko, dass der Tumor zurückkehrt oder streut:
- den Tumortyp, wenn es sich um einen besonderen Untertyp handelt
- wie tief der Tumor reicht, vor allem ob er die Unterhaut erreicht
- die gemessene Tiefe ab 2 Millimetern Eindringtiefe
- ob der Tumor Nerven entlangwächst, in Gefäße einbricht oder aus sehr untypischen Zellen besteht
- ob der Tumor vollständig entfernt ist
Als tief eingewachsen gilt ein Tumor, der über das Unterhautfettgewebe hinausreicht oder dicker als 6 Millimeter ist. Das ist ein Risikofaktor für Rückfall und Streuung. Bei Tumoren an heiklen Stellen wie dem Gesicht kommt die mikroskopisch kontrollierte Chirurgie infrage. Dabei prüft das Labor die Schnittränder lückenlos, und es wird nur dort nachgeschnitten, wo noch Tumor sitzt.
Welche 7 Fragen stellen Sie im Gespräch über das Ergebnis?
Stellen Sie im Gespräch über das Ergebnis am besten sieben Fragen. So wissen Sie danach, was das Ergebnis für Sie bedeutet und was als Nächstes geschieht. Notieren Sie die Antworten oder nehmen Sie eine Begleitperson mit, weil eine Krebsdiagnose das Zuhören erschwert:
- Welche Diagnose steht im Ergebnis, und um welchen Untertyp handelt es sich?
- Ist die Stelle vollständig entfernt, sind also alle Schnittränder frei (R0)?
- Wie dick ist der Tumor in Millimetern, und welche pT-Kategorie ergibt sich daraus?
- Brauche ich eine Nachoperation, mit welchem Sicherheitsabstand, und wo findet sie statt?
- Sind weitere Untersuchungen geplant, etwa eine Lymphknoten-Untersuchung oder ein Ultraschall?
- Wie sieht der Nachsorgeplan aus, und wer führt ihn durch?
- Kann ich eine Kopie des Ergebnisses und des Arztbriefs bekommen?
Für schwierige Fälle gibt es zertifizierte Hautkrebszentren, in denen eine Tumorkonferenz aus mehreren Fachrichtungen die Behandlung plant. Zum 31. Dezember 2024 gab es in Deutschland 82 solche Standorte. Ob eine Überweisung dorthin sinnvoll ist, besprechen Sie mit Ihrer Hautärztin.
Wer eine auffällige Stelle hat und noch keinen Termin, beginnt mit der Hautkrebsvorsorge oder lässt einen konkreten Fleck abklären. Beschreiben Sie den Fleck bei der Terminvergabe möglichst genau.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis das Ergebnis einer Hautbiopsie vorliegt?
Das Ergebnis einer Hautbiopsie liegt nach Angaben des Krebsinformationsdienstes in der Regel nach etwa 1 bis 2 Wochen vor. In dieser Zeit wird das Gewebe im Labor aufbereitet und unter dem Mikroskop beurteilt. Die Praxis bespricht das Ergebnis mit Ihnen und erklärt, ob etwas nachfolgt.
Was ist der Unterschied zwischen Stanzbiopsie und Exzisionsbiopsie der Haut?
Bei der Stanzbiopsie entnimmt die Ärztin einen runden Gewebezylinder aus einem Teil der Hautstelle. Bei der Exzisionsbiopsie schneidet sie die ganze Stelle mit einem schmalen Rand aus. Bei Verdacht auf ein Melanom empfehlen die Fachärzte, die ganze Stelle mit etwa 2 Millimetern Rand bis ins Fettgewebe auszuschneiden. Eine Teilprobe kommt nur bei großen Veränderungen im Gesicht oder an Händen und Füßen infrage.
Was bedeutet die Tumordicke nach Breslow im Befund eines Melanoms?
Die Tumordicke nach Breslow ist die in Millimetern gemessene Strecke von der obersten Zellschicht der Oberhaut bis zur tiefsten Tumorzelle eines Melanoms. Sie ist nach den Fachärzten der wichtigste Faktor für die Prognose in frühen Stadien. Von ihr hängen die T-Kategorie, der Sicherheitsabstand der Nachoperation und die Frage ab, ob ab 1,0 mm die Untersuchung des Wächterlymphknotens empfohlen wird.
Was bedeutet R0 im Befund einer Hautbiopsie?
R0 im Befund einer Hautbiopsie bedeutet, dass an den Schnitträndern kein Tumorrest nachweisbar ist, der Tumor also vollständig entfernt wurde. R1 steht für einen Rest, der nur unter dem Mikroskop sichtbar ist, R2 für einen sichtbaren Rest. Bei R1 und R2 sollen die Ärzte nachoperieren, wenn sich ein tumorfreier Rand erreichen lässt.
Zahlt die Krankenkasse eine Hautbiopsie?
Die Krankenkasse zahlt eine Hautbiopsie, wenn ein Verdacht auf Hautkrebs oder eine andere Krankheit besteht. Nur wenn Gewebe ohne medizinischen Grund entfernt wird, etwa ein Muttermal aus kosmetischen Gründen, zahlen Sie Entfernung und Laboruntersuchung selbst.
Bekomme ich eine Kopie meines Befunds nach einer Hautbiopsie?
Ja, Sie können nach einer Hautbiopsie eine Kopie Ihres Befunds verlangen, auch als elektronische Abschrift. Die erste Kopie Ihrer Patientenakte stellt die Praxis kostenlos zur Verfügung. Die Ärztin muss Ihnen außerdem die Diagnose verständlich erklären.
