Wer bekommt die Hautkrebsvorsorge auf Kassenkosten?
Alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren haben Anspruch auf die Hautkrebsvorsorge, und zwar jedes zweite Jahr. Die Kasse zahlt die Untersuchung, eine Zuzahlung fällt nicht an. Sie brauchen keine Überweisung und keine Beschwerden, um einen Termin zu vereinbaren.
Auf Abrechnungen heißt die Untersuchung Hautkrebs-Screening. Gemeint ist eine Vorsorge-Untersuchung, die Hautkrebs entdecken soll, bevor Sie etwas spüren. Sie sucht nach dem Melanom, dem sogenannten schwarzen Hautkrebs, und nach dem hellen Hautkrebs in seinen beiden Formen.
Diese Regel hat der Gemeinsame Bundesausschuss aufgestellt, das oberste Gremium von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen. Trotzdem nutzen nur rund 25 Prozent der Berechtigten das Angebot, so die Kassenärztliche Bundesvereinigung nach Zahlen von 2022.
Wann steht die nächste Hautkrebsvorsorge an?
Der Abstand von zwei Jahren zählt in Kalenderjahren, nicht in Monaten. Die Kasse zahlt die nächste Untersuchung erst nach Ablauf des Kalenderjahres, das auf Ihre letzte Untersuchung folgt. Wer im März 2026 geht, kann ab Januar 2028 wieder hin. Wer im Dezember 2026 geht, ebenfalls.
Ein Termin im Januar 2026 bedeutet deshalb fast 24 Monate Wartezeit, ein Termin im Dezember 2026 nur etwa 13 Monate. Notieren Sie sich das Jahr Ihrer letzten Untersuchung, nicht das genaue Datum.
Wie läuft die Hautkrebsvorsorge beim Hautarzt ab?
Die Untersuchung dauert etwa 15 Minuten. Auffällige Flecken betrachtet die Ärztin mit einer beleuchteten Lupe (Dermatoskop). Diese Untersuchung gehört seit April 2020 zur Kassenleistung. Sie zahlen dafür nichts extra und dürfen ruhig danach fragen.
Gespräch
Die Ärztin fragt nach Hautkrebs in der Familie, nach Sonnenbränden, nach Ihrem Beruf und nach Flecken, die sich verändert haben. Nennen Sie jede Stelle, die Ihnen aufgefallen ist.
Ganze Haut ansehen
Sie ziehen sich aus. Die Ärztin sieht die Haut von der Kopfhaut bis zu den Fußsohlen an, auch Hautfalten, Fingerzwischenräume und Nägel. Dazu gehören Stellen, in denen Haut auf Haut liegt, etwa unter den Armen, in der Leiste und zwischen den Zehen.
Ergebnis und Beratung
Die Ärztin sagt Ihnen, ob etwas auffällt, und berät Sie zu Sonnenschutz und Selbstkontrolle. Bei einem Verdacht klärt der Hautarzt weiter ab.
So bereiten Sie den Termin vor, damit die Ärztin jede Stelle unverdeckt sieht:
- Entfernen Sie Nagellack an Fingern und Zehen, denn auch unter dem Nagel kann ein Melanom entstehen.
- Verzichten Sie an diesem Tag auf Make-up, Selbstbräuner und getönte Cremes.
- Tragen Sie die Haare offen und ohne Gel, damit die Ärztin die Kopfhaut scheiteln kann.
- Notieren Sie jeden Fleck, der neu ist, juckt, blutet oder sich verändert hat, mit der Körperstelle.
Darf auch Ihr Hausarzt die Hautkrebsvorsorge machen?
Ja, wenn er eine Genehmigung hat und einen achtstündigen Kurs besucht hat. Die Richtlinie verlangt den Kurs von allen, die die Vorsorge abrechnen. Einzelne Kassenärztliche Vereinigungen befreien Hautärzte. Ob Ihre Hausarztpraxis die Vorsorge anbietet, sagt sie Ihnen am Telefon.
Der Unterschied liegt darin, was bei einem Verdacht passiert. Findet der Hausarzt einen auffälligen Fleck, schickt er Sie zum Hautarzt. Der sieht Ihre Haut noch einmal ganz an, prüft die auffälligen Stellen und entscheidet über die Laboruntersuchung. Beim Hautarzt entfällt dieser zweite Termin, weil er beides in einer Praxis erledigt.
Die Vorsorge soll wenn möglich zusammen mit dem Gesundheits-Check-up stattfinden, der ab 35 alle drei Jahre zusteht. Der Hausarzt rechnet dann beide Untersuchungen in einem Termin ab. Wer ohnehin regelmäßig beim Hautarzt ist, etwa wegen Neurodermitis oder vieler Muttermale, lässt die Vorsorge dort mitlaufen.
Was kostet die Hautkrebsvorsorge unter 35 Jahren?
Unter 35 Jahren gehört die Hautkrebsvorsorge nicht zu den Leistungen Ihrer Kasse. Die Praxis bietet sie dann als Leistung an, die Sie selbst bezahlen. Das gilt auch, wenn Sie öfter als alle zwei Jahre hingehen. Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte, kurz GOÄ, deren Nummern auf Ihrer Rechnung stehen.
Die Gebührenordnung gibt für jede Leistung einen Grundbetrag vor. Die Praxis multipliziert ihn mit einem Faktor, dem Satz, zwischen 1 und 3,5. Bis zum 2,3-fachen Satz braucht sie keine Begründung. Darüber muss sie auf der Rechnung erklären, warum der Fall besonders war.
Bei der üblichen Abrechnung mit dem 2,3-fachen Satz zahlen Sie als Selbstzahler 48,26 Euro. Darin stecken Beratung, Untersuchung der ganzen Haut und Untersuchung mit der beleuchteten Lupe. Die Tabelle reicht von 4,66 Euro für die Beratung zum einfachen Satz bis 73,44 Euro für alle drei Leistungen zum 3,5-fachen Satz.
| Nummer auf der Rechnung | Leistung | Einfacher Satz | 2,3-facher Satz (üblich) | 3,5-facher Satz (Höchstsatz) |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Beratung | 4,66 Euro | 10,72 Euro | 16,32 Euro |
| 7 | Untersuchung der gesamten Haut | 9,33 Euro | 21,45 Euro | 32,64 Euro |
| 750 | Untersuchung mit der beleuchteten Lupe | 6,99 Euro | 16,09 Euro | 24,48 Euro |
| Summe | Alle drei Leistungen zusammen | 20,98 Euro | 48,26 Euro | 73,44 Euro |
48,26 Euro sind ein Rechenwert aus dem Gebührenverzeichnis, kein Marktpreis. Manche Praxen setzen weitere Leistungen an, etwa eine ausführliche Beratung oder Fotos einzelner Flecken. Eine bundesweite Statistik über die tatsächlich verlangten Preise gibt es nicht. Für Leistungen, die Sie beim Hautarzt selbst zahlen, gelten feste Regeln: Die Praxis muss Ihnen die Kosten vorher schriftlich nennen, wenn die Kasse nicht zahlt. Eine E-Mail oder ein Ausdruck reicht.
Bevor Sie selbst zahlen, fragen Sie Ihre Krankenkasse. Viele Kassen bieten die Untersuchung als freiwillige Zusatzleistung an, auch öfter und für Jüngere. Jede Kasse legt das in ihrer Satzung selbst fest. Die Techniker Krankenkasse zahlt die Untersuchung zum Beispiel ab 15 Jahren jedes zweite Jahr. In Bayern, Schleswig-Holstein und Hessen gilt keine Altersgrenze. Voraussetzung ist ein Hautarzt, der an einem besonderen Vertrag teilnimmt.
- Rufen Sie Ihre Krankenkasse an und fragen Sie nach der Zusatzleistung Hautkrebsvorsorge unter 35: Altersgrenze, Abstand und ob nur Praxen mit Vertrag abrechnen dürfen.
- Zahlt die Kasse nicht, verlangen Sie die Kosten schriftlich, bevor Sie den Termin bestätigen.
- Prüfen Sie die Rechnung nach dem Termin anhand der Tabelle. Ein Faktor über 2,3 braucht eine schriftliche Begründung auf der Rechnung.
- Bewahren Sie die Rechnung auf.
Was passiert bei einem auffälligen Fleck?
Ein auffälliger Fleck ist zunächst ein Verdacht und keine Diagnose. Die weitere Abklärung übernimmt ein Hautarzt. Hat ein Hausarzt die Vorsorge gemacht, sieht sich der Hautarzt Ihre Haut noch einmal ganz an und prüft die auffälligen Stellen. Bleibt der Verdacht bestehen, entnimmt er bei einer Hautbiopsie den Fleck oder ein Stück davon. Im Labor wird die Probe unter dem Mikroskop untersucht.
Die Entnahme geschieht in der Praxis unter örtlicher Betäubung, und die Kasse zahlt sie zusätzlich zur Vorsorge. Das Ergebnis besprechen Sie mit der Ärztin, meist nach 1 bis 2 Wochen.
Hat die Ärztin den Fleck als verdächtig eingestuft?
War es eine Hautärztin?
Die Hautärztin entscheidet direkt über die Entfernung und die Laboruntersuchung. Fragen Sie nach dem Termin für das Ergebnisgespräch.
Ihr Hausarzt überweist Sie zum Hautarzt. Nehmen Sie die Unterlagen der Hausarztpraxis mit.
Haben Sie viele Muttermale, einen hellen Hauttyp oder Hautkrebs in der Familie?
Fragen Sie die Ärztin, ob sie kürzere Abstände oder Fotos der Muttermale empfiehlt. Das entscheidet sie im Einzelfall.
Ihr nächster Anspruch besteht nach Ablauf des folgenden Kalenderjahres. Prüfen Sie Ihre Haut bis dahin selbst nach der ABCDE-Regel.
Mögliche Nachteile sind eine kleine Narbe nach einer unnötigen Entfernung und die Sorge bei einem Verdacht, der sich nicht bestätigt.
Woran erkennen Sie selbst einen verdächtigen Fleck?
Zwischen zwei Vorsorgeterminen liegt mindestens ein Jahr. In dieser Zeit prüfen Sie Ihre Haut selbst. Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt dafür die ABCDE-Regel, mit der Sie einen Pigmentfleck an fünf Merkmalen prüfen. Trifft eines zu, zeigen Sie den Fleck baldmöglichst einer Hautärztin.
- A wie Asymmetrie: Der Fleck ist ungleichmäßig geformt, nicht rund oder oval.
- B wie Begrenzung: Der Rand ist verwaschen, gezackt oder uneben und rau.
- C wie Colorit: Der Fleck hat mehrere Farbtöne, hellere und dunklere Bereiche nebeneinander.
- D wie Durchmesser: Der Fleck misst an der breitesten Stelle mehr als 5 Millimeter.
- E wie Erhabenheit: Der Fleck ragt mehr als 1 Millimeter über die Haut hinaus oder hat eine raue, schuppende Oberfläche.
Die Regel ersetzt keine Untersuchung. Sie erkennt keinen hellen Hautkrebs, und es gibt Melanome, die kleiner als 5 Millimeter sind.
Besonders aufmerksam sollten Sie sein, wenn eines davon auf Sie zutrifft:
- Sie haben einen hellen Hauttyp mit hellen oder roten Haaren.
- Sie hatten viele Sonnenbrände.
- Sie haben viele, auffällige oder angeborene Muttermale.
- Sie hatten schon Hautkrebs, oder er kommt in Ihrer Familie vor.
- Sie bekommen im Beruf oder in der Freizeit viel Sonne ab.
- Ihr Immunsystem ist geschwächt, etwa nach einer Organtransplantation.
Sprechen Sie dann mit der Hautärztin darüber, in welchen Abständen eine Kontrolle für Sie passt.
Was bringt die Hautkrebsvorsorge, und was ist offen?
Seit Juli 2008 gibt es die Hautkrebsvorsorge in Deutschland. Seitdem werden deutlich mehr Melanome entdeckt, denn mehr Untersuchungen finden mehr Tumoren. Etwa 67 Prozent aller Melanome werden in einem frühen Stadium gefunden. Fünf Jahre nach der Diagnose leben, verglichen mit Menschen ohne Melanom, noch 96 Prozent der Frauen und 94 Prozent der Männer. Diese Zahlen belegen nicht, dass die Vorsorge sie bewirkt hat.
Ob die Vorsorge die Zahl der Todesfälle senkt, ist nach dem Krebsinformationsdienst bisher nicht eindeutig belegt. Es gibt Hinweise darauf. Als mögliche Nachteile nennt der Dienst falschen Alarm, unnötig entfernte harmlose Flecken und Überdiagnosen. Damit sind Tumoren gemeint, die das Leben der Betroffenen nie beeinträchtigt hätten.
Der Gemeinsame Bundesausschuss muss deshalb bis Ende 2027 entscheiden, ob die Vorsorge künftig nach dem persönlichen Risiko angeboten wird und ob sich die Abstände ändern. Bis der Ausschuss beschlossen hat und der Beschluss in Kraft ist, gilt der Anspruch unverändert. Ein Vorschlag der Finanzkommission vom März 2026, die Vorsorge auszusetzen, ist nicht Gesetz geworden. Die Vorsorge nützt am meisten, wenn Sie die Abstände einhalten, zwischen den Terminen selbst nachsehen und Veränderungen sofort zeigen.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter zahlt die Krankenkasse die Hautkrebsvorsorge?
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt die Hautkrebsvorsorge ab 35 Jahren, jedes zweite Jahr und ohne Zuzahlung. Viele Kassen bieten die Untersuchung freiwillig auch jüngeren Versicherten an. Die Techniker Krankenkasse zahlt sie zum Beispiel ab 15 Jahren, bei Hautärzten mit einem besonderen Vertrag.
Was kostet die Hautkrebsvorsorge als Selbstzahler unter 35?
Die Hautkrebsvorsorge kostet als Selbstzahler 48,26 Euro, wenn die Praxis mit dem üblichen 2,3-fachen Satz abrechnet. Zum einfachen Satz sind es 20,98 Euro, zum höchsten erlaubten Satz 73,44 Euro. Manche Praxen berechnen weitere Leistungen zusätzlich, deshalb sollten Sie die Kosten vor dem Termin schriftlich verlangen.
Zahlt die Kasse bei der Hautkrebsvorsorge die Untersuchung mit der beleuchteten Lupe?
Ja, die Untersuchung mit der beleuchteten Lupe gehört seit April 2020 zur Hautkrebsvorsorge auf Kassenkosten, wenn Sie 35 oder älter sind. Selbst zahlen Sie sie nur, wenn Sie unter 35 sind oder öfter als alle zwei Jahre zur Vorsorge gehen.
Darf der Hausarzt die Hautkrebsvorsorge durchführen?
Ja, ein Hausarzt darf die Hautkrebsvorsorge durchführen, wenn er eine Genehmigung hat und einen achtstündigen Kurs besucht hat. Findet er einen verdächtigen Fleck, überweist er Sie zum Hautarzt. Der Hautarzt untersucht Ihre Haut noch einmal ganz und entscheidet über die Entfernung.
Wie lange dauert die Hautkrebsvorsorge beim Hautarzt?
Die Hautkrebsvorsorge dauert etwa 15 Minuten, nach der Deutschen Krebsgesellschaft 10 bis 20 Minuten. In dieser Zeit fragt die Ärztin nach Ihrer Vorgeschichte, sieht Ihre gesamte Haut einschließlich Kopfhaut und Hautfalten an und bespricht das Ergebnis mit Ihnen.
Wann ist nach der Hautkrebsvorsorge der nächste Termin fällig?
Die nächste Hautkrebsvorsorge zahlt die Kasse nach Ablauf des Kalenderjahres, das auf Ihre letzte Untersuchung folgt. Wer im März 2026 geht, kann ab Januar 2028 wieder hin. Ein Fleck, der sich zwischen den Terminen verändert, ist jederzeit ein Grund für einen Arztbesuch auf Kassenkosten.
