Warum bekommen Schwangere Krampfadern?
Drei Veränderungen wirken in der Schwangerschaft zusammen und lassen die Venen an den Beinen hervortreten. Das Schwangerschaftshormon Progesteron entspannt die glatte Muskulatur, auch in den Venenwänden, sodass die Venen weiter werden und die Klappen schlechter schließen. Gleichzeitig nimmt die Blutmenge stark zu: Der flüssige Teil des Bluts, das Plasma, wächst um bis zu fast 50 Prozent. In den letzten Wochen drückt außerdem die wachsende Gebärmutter auf die Beckenvenen und die große Hohlvene, was den Rückfluss des Bluts aus den Beinen erschwert.
Wie viele Schwangere Krampfadern bekommen, schwankt je nach Studie stark. Eine Übersichtsarbeit nennt bis zu 40 von 100, in einer Studie mit 1.835 Frauen waren es 9,4 von 100. Die Spanne kommt daher, dass Studien Krampfadern unterschiedlich streng definieren, von einzelnen sichtbaren Venen bis zu deutlichen Krampfadern mit Beschwerden.
Wie stark es Sie trifft, hängt auch von persönlichen Risiken ab: Krampfadern in der Familie, ein Beruf mit langem Stehen oder Sitzen, Übergewicht und mehrere Schwangerschaften. Wer schon vor der Schwangerschaft einzelne Krampfadern hatte, sieht sie danach oft deutlicher.
Bilden sich Krampfadern nach der Geburt zurück?
Die meisten Krampfadern, die erst in der Schwangerschaft entstehen, bilden sich in den Monaten nach der Geburt zumindest teilweise zurück, weil Blutmenge und Hormonspiegel wieder sinken. Eine feste Frist nennt keine deutsche Empfehlung. Hebammen-Ratgeber sprechen von einigen Wochen bis zu einem Jahr, je nach Ausgangslage und Zahl früherer Schwangerschaften.
Bei manchen Frauen verschwinden Krampfadern aber nicht ganz. Nach einer Auswertung von neun Studien mit 17.109 Frauen hatten Frauen, die schon einmal schwanger waren, deutlich häufiger Krampfadern als Frauen ohne Schwangerschaft. Die Chance auf Krampfadern lag bei ihnen um 82 Prozent höher (statistisches Chancenverhältnis von 1,82). Wer mehrere Kinder hat, hat häufiger Krampfadern, bei drei und mehr Schwangerschaften laut Leitlinie. Ob die Schwangerschaft selbst der Auslöser ist, ist unsicher. Wer schon vorher eine Veranlagung hatte, behält nach der Geburt eher sichtbare Venen.
Sprechen Sie neue Krampfadern bei der Vorsorge an, auch wenn sie nur kosmetisch stören. Dann kann die Praxis das Ergebnis festhalten und später mit Kontrollen vergleichen.
Was hilft in der Schwangerschaft gegen Krampfadern?
Der Berufsverband der Frauenärzte und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehlen bei Venenbeschwerden vor allem zwei Dinge: viel bewegen und rechtzeitig Kompressionsstrümpfe tragen. Stehende und sitzende Tätigkeiten sollten Sie möglichst vermeiden.
Bewegung und Kompression wirken, weil die Wadenmuskeln bei jedem Schritt die tiefen Venen zusammendrücken und das Blut Richtung Herz schieben. Wer viel sitzt oder steht, nutzt diese Pumpe kaum, und das Blut versackt in den erweiterten Venen. Ein Kompressionsstrumpf presst die überdehnten Venenwände von außen zusammen, sodass die Klappen wieder schließen können. Er hilft, solange Sie ihn tragen, und kann nach der Geburt die Rückbildung fördern.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel mit täglichen Spaziergängen.
- Legen Sie die Beine mehrmals täglich hoch, wenn Sie sitzen oder liegen.
- Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen ohne Pause und wechseln Sie ab.
- Lassen Sie sich bei Beschwerden Kompressionsstrümpfe verordnen. Mit ärztlichem Grund trägt die Kasse die Kosten ohne Zuzahlung, ohne ärztlichen Grund zahlen Sie selbst.
- Ziehen Sie die Strümpfe morgens an, bevor die Beine anschwellen, und lassen Sie im Sanitätshaus die richtige Größe messen.
- Wählen Sie mit wachsendem Bauch eine Strumpfhose statt eines Kniestrumpfs, wenn auch die Leiste betroffen ist.
- Lassen Sie die Größe im letzten Drittel der Schwangerschaft erneut prüfen, weil sich der Beinumfang verändert.
Was kostet die Behandlung in der Schwangerschaft?
Die Schwangerschaft ändert bei den meisten Maßnahmen nur die Zuzahlung, nicht die Leistung der Kasse. Kompressionsstrümpfe wegen Schwangerschaftsbeschwerden bekommen Sie ohne Zuzahlung, sonst gelten 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Den Ultraschall der Venen bei Verdacht auf eine Thrombose zahlt die Kasse bei medizinischem Grund ohne Zuzahlung. Was die Kasse bei Krampfadern außerhalb der Schwangerschaft zahlt, gilt danach wieder.
| Maßnahme | Zahlt die Kasse in der Schwangerschaft? | Ihre Zuzahlung |
|---|---|---|
| Kompressionsstrümpfe bei Schwangerschaftsbeschwerden | Ja, als Hilfsmittel | Keine |
| Ultraschall der Venen bei Verdacht auf eine Thrombose | Ja, wenn es einen medizinischen Grund gibt | Keine |
| Verödung während der Schwangerschaft | Die Praxis verödet nur bei zwingender Notwendigkeit. Ob die Kasse zahlt, entscheidet sie im Einzelfall. | Wie sonst auch: bei medizinischem Grund nichts, bei kosmetischem Wunsch zahlen Sie selbst |
| Operation der Stammvene | Meist erst nach der Geburt geplant | Wie außerhalb der Schwangerschaft |
Zahlen Sie eine Verödung selbst, muss die Praxis Ihnen vorher schriftlich die Kosten nennen, aufgeschlüsselt nach den einzelnen Leistungen. Ob die Kasse in Ihrem Fall zahlt, entscheidet sie im Einzelfall. Lassen Sie sich beraten, wenn sie ablehnt.
Erhöhen Krampfadern in der Schwangerschaft das Thromboserisiko?
Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel in einer Vene. Krampfadern allein lösen keine Thrombose aus, aber der träge Blutfluss in erweiterten Venen ist einer von mehreren Faktoren, die das Risiko in der Schwangerschaft erhöhen. Schwangere haben nach dem Berufsverband der Frauenärzte ein rund fünfmal höheres Thromboserisiko. Ob Sie vorbeugend Medikamente brauchen, entscheidet Ihre Frauenärztin nach weiteren Risikofaktoren wie Alter, Gewicht oder früheren Thrombosen. Das ist keine Entscheidung, die eine Hautarztpraxis allein trifft.
Drei Dinge wirken zugleich. Der Blutfluss in den Beinen wird durch den Druck der Gebärmutter langsamer. Die Blutgerinnung stellt sich hormonell auf die Geburt und den möglichen Blutverlust ein. Und die Venenwände verändern sich durch die Hormone. Ein harter, geröteter, schmerzhafter Strang unter der Haut kann außerdem eine Venenentzündung sein, die Sie ebenfalls ärztlich abklären lassen sollten.
Wann reicht Selbsthilfe und wann müssen Sie zum Arzt?
Sind beide Beine ähnlich stark geschwollen, und kam die Schwellung ohne plötzlichen Schmerz?
Das spricht für gewöhnliche Schwangerschaftsvenen. Kompression, Bewegung und Hochlagern reichen meist aus. Sprechen Sie neue oder stärker werdende Krampfadern beim nächsten Vorsorgetermin an.
Ist nur ein Bein betroffen, mit plötzlicher Schwellung, Schmerz oder Verfärbung?
Das ist ein Warnzeichen für eine Thrombose. Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, über Ihre Praxis, den Bereitschaftsdienst 116117 oder die Notaufnahme.
Sprechen Sie die Beschwerden bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung an. Eine gezielte Untersuchung der Venen klärt, ob Kompressionsstrümpfe sinnvoll sind.
Häufige Fragen
Warum bekomme ich in der Schwangerschaft plötzlich Krampfadern?
Krampfadern entstehen in der Schwangerschaft, weil drei Veränderungen zusammenwirken: Das Hormon Progesteron entspannt die Venenwände, die Blutmenge steigt stark an, und die wachsende Gebärmutter drückt auf die Beckenvenen. Zusammen lassen sie das Blut in den Beinen leichter stauen.
Bilden sich Krampfadern nach der Geburt von selbst zurück?
Bei den meisten Frauen bilden sich Krampfadern aus der Schwangerschaft innerhalb einiger Monate zumindest teilweise zurück. Bei manchen verschwinden sie nicht ganz, vor allem wenn schon vorher eine Veranlagung bestand.
Zahle ich für Kompressionsstrümpfe in der Schwangerschaft eine Zuzahlung?
Nein, für Kompressionsstrümpfe wegen Schwangerschaftsbeschwerden zahlen Sie keine Zuzahlung, wenn Ihre Ärztin sie verordnet. Außerhalb der Schwangerschaft gelten 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro.
Darf ich in der Schwangerschaft meine Krampfadern veröden lassen?
Eine Verödung der Krampfadern gibt es in der Schwangerschaft nur bei zwingender medizinischer Notwendigkeit. Der Wirkstoff Polidocanol darf laut Hersteller in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es unbedingt nötig ist. Die meisten Praxen verschieben die Behandlung auf die Zeit nach der Geburt. In der Stillzeit verödet die Praxis nur bei dringendem Grund, mit 2 bis 3 Tagen Stillpause.
Erhöhen Krampfadern in der Schwangerschaft das Thromboserisiko?
Ja, der träge Blutfluss in erweiterten Venen ist einer von mehreren Risikofaktoren für eine Thrombose in der Schwangerschaft. Schwangere haben insgesamt ein rund fünfmal höheres Thromboserisiko. Schwillt ein Bein plötzlich einseitig an oder schmerzt es, lassen Sie es sofort ärztlich abklären.
Haben Mütter mit mehreren Kindern häufiger Krampfadern?
Ja, wer mehrere Kinder hat, hat häufiger Krampfadern (bei drei und mehr Schwangerschaften laut Leitlinie). Ob die Schwangerschaft selbst der Auslöser ist, ist unsicher.
