Wann ist eine Venenentzündung im Bein ein Notfall?
Eine Venenentzündung im Bein kann harmlos sein. Sie kann aber auch zeigen, dass sich ein Blutgerinnsel in der Tiefe gebildet hat. Diese Zeichen sollten Sie kennen.
Gehen Sie noch am selben Tag zur Ärztin, zum Arzt oder in die Notaufnahme, außerhalb der Sprechzeiten zum Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Das ganze Bein oder der ganze Unterschenkel schwillt an und fühlt sich prall und schwer an.
- Es treten plötzlich muskelkaterartige Schmerzen im Bein auf, zum Beispiel in der Wade.
- Die Haut am Bein färbt sich bläulich.
- Der rote, harte Strang wird schnell länger oder wächst Richtung Leiste oder Kniekehle.
- Der Strang liegt oben am Oberschenkel nahe der Leiste.
Auch ohne diese Zeichen gehört ein roter, harter Strang unter der Haut in ärztliche Hände. Viele Betroffene bemerken ein zusätzliches Gerinnsel in der Tiefe gar nicht. Nur ein Ultraschall zeigt sicher, ob tiefe Venen betroffen sind. Ein Praxisbesuch klärt das meist noch am selben Tag.
Woran erkennen Sie eine Venenentzündung im Bein?
Eine oberflächliche Venenentzündung entsteht durch ein Blutgerinnsel in einer Vene direkt unter der Haut, meist in einer bereits vorhandenen Krampfader. Dort fließt das Blut langsamer und gerinnt leichter. Ärzte nennen sie oberflächliche Venenthrombose oder Thrombophlebitis. Sie zeigt sich als roter, harter, druckschmerzhafter Strang mit brennendem oder stechendem Schmerz. Das Bein als Ganzes schwillt dabei nicht an, weil das Blut weiter über die tiefen Venen abfließt.
Nach Angaben der Fachgesellschaft für Venenkrankheiten fördern langsamer Blutfluss, Krampfadern, Bewegungsmangel, Übergewicht, enge Kleidung, Operationen, Schwangerschaft und hormonelle Verhütungsmittel die Entstehung.
Bei der tiefen Beinvenenthrombose ist ein Gerinnsel in den großen Venen tief im Bein entstanden. Dort ist der Abfluss gestört. Deshalb schwillt das ganze Bein oder der ganze Unterschenkel an, oft mit Spannungsgefühl und bläulicher Verfärbung.
| Merkmal | Oberflächliche Venenentzündung | Tiefe Beinvenenthrombose |
|---|---|---|
| Was Sie sehen | Roter, tastbarer Strang direkt unter der Haut | Keine sichtbare Vene, dafür eine diffuse Schwellung |
| Schwellung | Meist nur leicht und örtlich begrenzt | Das ganze Bein oder der Unterschenkel schwillt an |
| Schmerz | Brennend oder stechend, entlang des Strangs | Spannungsgefühl und Druckschmerz in der Wade |
| Hautfarbe | Rötung über dem betroffenen Venenabschnitt | Oft bläuliche Verfärbung des ganzen Beins |
| Sichere Diagnose | Meist sieht man sie, ein Ultraschall bestätigt sie | Nur mit Ultraschall |
Wie gefährlich ist eine Venenentzündung im Bein?
Eine oberflächliche Venenentzündung sieht harmlos aus, ist aber nicht rein örtlich. Das Gerinnsel kann sich über Verbindungsvenen oder an der Einmündung der großen Beinvene in die tiefe Leistenvene fortsetzen. Nach der Empfehlung der Fachärzte für Venenthrombosen haben etwa 18 von 100 Betroffenen zum Zeitpunkt der Diagnose gleichzeitig eine tiefe Beinvenenthrombose. Bei 7 von 100 wandert ein Gerinnsel in die Lunge und macht Beschwerden. Etwa 10 von 100 entwickeln in den folgenden drei Monaten eine tiefe Thrombose oder ein Gerinnsel in der Lunge.
Deshalb bestätigt ein Ultraschall der Venen (Duplex-Sonographie) jede Venenentzündung, statt sich auf das Tasten zu verlassen. Er zeigt die Länge des entzündeten Abschnitts und den Abstand zur Einmündung in die tiefe Vene. Diese beiden Werte entscheiden über die Behandlung. Weil das Gerinnsel oft länger ist, als man es von außen sieht, untersucht die Praxis auch die tiefen Venen des ganzen Beins.
Wann braucht eine Venenentzündung Blutverdünner?
Die Behandlung hängt von zwei Werten aus dem Ultraschall ab: der Länge des entzündeten Abschnitts und dem Abstand zur Einmündung in die tiefe Vene. Der Schmerz entscheidet nicht darüber.
Ist der Abschnitt länger als 5 Zentimeter und liegt er mehr als 3 Zentimeter von der Einmündung entfernt, empfehlen die Fachärzte Fondaparinux. Das ist ein Blutverdünner. Sie spritzen ihn 45 Tage lang einmal täglich in einer Dosis von 2,5 Milligramm unter die Haut. Die Studie CALISTO hat 3.002 Betroffene untersucht. Komplikationen wie eine tiefe Thrombose, ein Gerinnsel in der Lunge oder eine Ausdehnung der Entzündung traten unter Fondaparinux bei 0,9 von 100 auf, mit einem Scheinmedikament bei 5,9 von 100.
Liegt der entzündete Abschnitt weniger als 3 Zentimeter von der Einmündung in die tiefe Vene entfernt?
Dann behandelt die Praxis wie eine tiefe Venenthrombose, mit Blutverdünnern in voller Dosis über etwa 3 Monate. Oft geschieht das gemeinsam mit einer Praxis für Gefäßmedizin oder Gefäßchirurgie.
Ist der entzündete Abschnitt länger als 5 Zentimeter?
Dann verordnet die Praxis Fondaparinux, 2,5 Milligramm täglich unter die Haut über 45 Tage. Das senkt das Risiko einer Ausdehnung oder eines Gerinnsels in der Lunge deutlich.
Kühlung, ein entzündungshemmendes Schmerzmittel oder Salbe und Kompression reichen bei einem kurzen, entfernten Abschnitt meist aus. Die Praxis kontrolliert klinisch, bei Verdacht auf Ausdehnung auch im Ultraschall.
Bei erhöhtem Risiko empfehlen die Fachärzte eine Kontrolle innerhalb der ersten 1 bis 3 Wochen.
Was passiert bei der Abklärung einer Venenentzündung?
Der Ablauf ist fast immer gleich, egal ob eine Hausarztpraxis oder ein Phlebologe Sie zuerst untersucht.
- Sie schildern, seit wann der Strang schmerzt und ob er sich ausbreitet.
- Die Praxis tastet und misst den betroffenen Abschnitt und fragt nach Vorerkrankungen wie früheren Thrombosen.
- Ein Ultraschall der Venen zeigt, wie lang der entzündete Abschnitt ist und wie weit er von der tiefen Vene entfernt liegt. Die Praxis prüft auch die tiefen Venen des Beins.
- Je nach Ergebnis verordnet die Praxis Fondaparinux, einen anderen Blutverdünner oder Kompression mit Schmerzmittel.
- Bei erhöhtem Risiko folgt innerhalb der ersten 1 bis 3 Wochen eine Kontrolle, die zeigt, ob sich der Strang zurückbildet oder ausdehnt. Die Praxis kontrolliert klinisch, bei Verdacht auf Ausdehnung auch im Ultraschall.
Was können Sie selbst bei einer Venenentzündung tun?
Neben der ärztlichen Behandlung liegt ein Teil der Genesung in Ihrer Hand.
- Bewegen Sie sich weiter, gehen Sie spazieren und wippen Sie mit dem Fuß.
- Legen Sie das Bein zwischendurch hoch. Dagegen spricht nichts.
- Tragen Sie den verordneten Kompressionsverband oder Kompressionsstrumpf. Er verbessert den Blutfluss in den tiefen Beinvenen.
- Kühlen Sie die entzündete Stelle.
- Nehmen Sie ein entzündungshemmendes Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit der Praxis, wenn Sie schon Blutverdünner einnehmen.
- Massieren Sie den Strang nicht.
Eine leichte Venenentzündung klingt nach Angaben der Fachgesellschaft nach ein bis zwei Wochen ab, schwerere Verläufe brauchen länger. Der Strang kann noch länger tastbar bleiben. Wird die Stelle währenddessen härter statt weicher, breitet sie sich sichtbar aus oder bekommen Sie Fieber, gehört das erneut in die Praxis. Warten Sie die verordnete Zeit dann nicht einfach ab.
Wer behandelt eine Venenentzündung im Bein?
In den meisten Fällen behandelt eine Hausarztpraxis oder ein Phlebologe die Venenentzündung ambulant, mit Ultraschallkontrolle und, wenn nötig, Fondaparinux. Ob eine Praxis wirklich einen Phlebologen hat, erkennen Sie nicht am Praxisnamen. Fragen Sie bei einer Überweisung nach, an welche Praxis genau und warum. Das hilft Ihnen, die Dringlichkeit des Termins einzuschätzen.
Eine Praxis für Gefäßmedizin (Angiologie) oder Gefäßchirurgie übernimmt in drei Fällen. Erstens bei einer zusätzlichen tiefen Venenthrombose, zweitens wenn sich die Entzündung trotz Behandlung ausdehnt, drittens wenn sie ohne erkennbaren Auslöser immer wiederkehrt. Krampfadern selbst werden, wenn überhaupt, frühestens 3 Monate nach dem Abklingen der Beschwerden behandelt.
Die Kasse zahlt die Behandlung einer undichten Stammvene bei Beschwerden. Welche Verfahren infrage kommen und was Sie bei Krampfadern selbst zahlen, hängt vom Einzelfall ab.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Venenentzündung im Bein?
Eine Venenentzündung im Bein zeigt sich als geröteter, harter, druckschmerzhafter Strang direkt unter der Haut, meist an einer bereits vorhandenen Krampfader. Anders als bei einer tiefen Venenthrombose schwillt dabei nicht das ganze Bein an.
Ist eine Venenentzündung im Bein gefährlich?
Eine Venenentzündung im Bein kann gefährlich sein, denn bei etwa 18 von 100 Betroffenen liegt gleichzeitig eine tiefe Venenthrombose vor. Bei kurzen Abschnitten, die weit von der tiefen Vene entfernt liegen, ist das Risiko gering. Ein Ultraschall klärt das.
Muss ich bei einer Venenentzündung Blutverdünner nehmen?
Bei einer Venenentzündung von mehr als 5 Zentimetern Länge und mehr als 3 Zentimetern Abstand zur tiefen Vene verordnet die Praxis Fondaparinux über 45 Tage. Liegt sie näher als 3 Zentimeter an der tiefen Vene, behandelt die Praxis wie eine tiefe Thrombose. Kürzere, weiter entfernte Abschnitte behandelt sie mit Kompression und Schmerzmittel.
Darf ich mich bei einer Venenentzündung im Bein noch bewegen?
Ja, bei einer Venenentzündung im Bein sollten Sie sich sogar bewegen. Bewegung mit Kompression gilt heute als richtig, die früher empfohlene Bettruhe nicht mehr.
Wann muss ich mit einer Venenentzündung im Bein sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme?
Rufen Sie bei einer Venenentzündung sofort den Notruf 112, wenn Atemnot, Brustschmerzen oder Bluthusten dazukommen, denn das kann auf eine Lungenembolie hindeuten. Noch am selben Tag zum Arzt gehen Sie, wenn das ganze Bein anschwillt, sich bläulich verfärbt oder der Strang sich schnell Richtung Leiste oder Kniekehle ausbreitet.
Wer behandelt eine Venenentzündung im Bein?
Meist behandelt eine Hausarztpraxis oder ein Phlebologe die Venenentzündung im Bein ambulant. Liegt zusätzlich eine tiefe Venenthrombose vor oder dehnt sich die Entzündung trotz Behandlung aus, überweist die Praxis an eine Praxis für Gefäßmedizin oder Gefäßchirurgie.
