Was macht ein Phlebologe?
Phlebologie kommt vom griechischen Wort phlebos für Vene. Die Lehre von den Venenkrankheiten hat keinen eigenen Facharzttitel. Ein Phlebologe ist deshalb zum Beispiel Hautärztin, Hausarzt, Internist oder Chirurgin und hat zusätzlich die Weiterbildung Phlebologie abgeschlossen. Danach darf er die Zusatzbezeichnung Phlebologie führen. Das ist ein zweiter Titel, der nach dem Facharzt dazukommt.
Nach der Musterordnung der Bundesärztekammer für die Weiterbildung umfasst die Phlebologie Vorbeugung, Erkennung, Behandlung und Rehabilitation bei Krankheiten der Venen und Lymphgefäße an Armen und Beinen, auch bei Thrombosen. Diese Musterordnung dient den Ärztekammern der Länder als Vorlage für ihre eigenen Regeln. Dazu gehört die Behandlung der dauerhaften Venenschwäche und ihrer Folgen bis zum offenen Bein. Außerdem gehören dazu:
- Blutverdünnung bei Thrombosen.
- Kompressionsverbände und Kompressionsstrümpfe.
- Die Verödung, bei der die Praxis die Vene mit einem Mittel zum Verkleben bringt.
- Eingriffe an den oberflächlichen Beinvenen.
Wann lohnt sich ein Phlebologe statt eines Hautarztes?
Auch Hautärztinnen und Hautärzte lernen in ihrer Facharztausbildung, Gefäße per Ultraschall zu untersuchen und bestimmte Eingriffe an den Venen zu machen. Bei einzelnen Besenreisern reicht das oft aus. Die Zusatzausbildung Phlebologie geht gezielt auf die Venen ein: Sie verlangt den Nachweis von Ultraschalluntersuchungen der Venen mit zwei Verfahren, dazu Verödung, Kompressionsbehandlung und die Verordnung von Kompressionsstrümpfen.
Die zwei Verfahren heißen Doppler und Duplex. Der Doppler misst den Blutfluss, der Duplex zeigt zusätzlich die Vene im Bild. Der Venen-Ultraschall zeigt, an welcher Stelle das Blut zurückzufließen beginnt und ob nur ein kleiner Seitenast oder die ganze Stammvene betroffen ist. Davon hängt ab, welche Behandlung sinnvoll ist. Bei einem offenen Bein, einer undichten Stammvene oder einer geplanten Verödung lohnt sich deshalb der Blick auf die Zusatzausbildung.
Wie wird ein Arzt Phlebologe?
Zuerst braucht der Arzt einen abgeschlossenen Facharzt. Häufig sind es Hausärzte, Hautärzte, Internisten und Chirurgen. Danach lernt er Phlebologie unter Anleitung einer Ärztin, die dafür von der Ärztekammer befugt ist. Er dokumentiert seine Erfahrungen, darunter je 100 Ultraschalluntersuchungen der Venen mit den zwei Verfahren Doppler und Duplex. Am Ende steht eine Prüfung vor der Ärztekammer. Wie lange die Weiterbildung dauert, legt die Ärztekammer des jeweiligen Bundeslandes fest.
Zu den Inhalten gehören auch Operationen an den oberflächlichen Beinvenen, vom kleinen Eingriff bis zum Stripping, bei dem die kranke Stammvene entfernt wird. Ob eine Praxis selbst operiert, fragen Sie besser vorab.
Woran erkennen Sie einen Phlebologen?
Ein Praxisname wie Venenzentrum oder Venenpraxis sagt nichts über die Qualifikation der Ärzte. Er ist eine Selbstbezeichnung und kein Nachweis.
Nachschlagen können Sie die Qualifikation an drei Stellen:
- In der bundesweiten Arztsuche der 116117 unter arztsuche.116117.de.
- Im Arztverzeichnis der Ärztekammer Ihres Bundeslandes, in Bayern zum Beispiel unter arzt.bayern.
- In der Ärztesuche der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie unter phlebology.de (listet Mitglieder der Fachgesellschaft, nicht alle Träger der Zusatzbezeichnung).
Wer sichergehen will, fragt in der Praxis direkt, welche Zusatzbezeichnung die behandelnde Person hat.
Die Mitgliedschaft in der Fachgesellschaft ist freiwillig und ersetzt die Prüfung bei der Ärztekammer nicht.
Wofür ist der Angiologe und wofür der Gefäßchirurg zuständig?
Alle drei behandeln Venenkrankheiten, aber mit unterschiedlicher Ausbildung. Der Phlebologe bringt die gezielte Zusatzausbildung für die Venen mit und behandelt überwiegend ohne große Operation, mit Kompression, Verödung und Eingriffen an den oberflächlichen Venen. Der Angiologe ist Facharzt für Innere Medizin und Angiologie und kümmert sich zusätzlich um Arterien und Lymphgefäße. Das zählt, wenn neben den Venen auch die Schlagadern erkrankt sind, etwa bei verengten Arterien im Bein (periphere arterielle Verschlusskrankheit). Der Gefäßchirurg operiert Venen und Arterien und übernimmt größere Eingriffe wie das Stripping.
Ein Angiologe hat eine Facharztausbildung von mindestens 72 Monaten hinter sich, davon 36 Monate in Angiologie. Auch ein Gefäßchirurg lernt mindestens 72 Monate, davon 48 Monate in Gefäßchirurgie. Der Phlebologe bildet sich nach seinem Facharzt zusätzlich weiter.
| Arzt | Ausbildung | Schwerpunkt | Operiert selbst? |
|---|---|---|---|
| Phlebologe | Zusatzausbildung nach einem anderen Facharzt | Venenmedizin: Kompression, Verödung, Untersuchung, Thrombosebehandlung | Ja, Eingriffe an den oberflächlichen Beinvenen sind Teil der Weiterbildung. Ob die Praxis sie anbietet, ist verschieden |
| Angiologe | Facharzt für Innere Medizin und Angiologie: mindestens 72 Monate Weiterbildung, davon 36 Monate Angiologie | Arterien, Venen und Lymphgefäße, ohne Operation und mit Eingriffen über einen Katheter | Nein, aber Katheter-Eingriffe an Arterien |
| Gefäßchirurg | Facharzt für Gefäßchirurgie (Gebiet Chirurgie): mindestens 72 Monate Weiterbildung, davon 48 Monate Gefäßchirurgie | Operationen an Venen und Arterien | Ja, auch Stripping und Bypass |
In der Praxis arbeiten die drei oft zusammen. Viele Praxen kooperieren mit einer Gefäßchirurgie für den Fall, dass eine Operation nötig wird, und mit einer angiologischen Praxis für die selteneren Fälle mit Beteiligung der Arterien. Fragen Sie deshalb ruhig nach, welche Nachbarpraxis für den nächsten Schritt zuständig wäre, falls die Behandlung in der ersten Praxis nicht ausreicht.
Reicht der Phlebologe oder muss es der Gefäßchirurg sein?
Die meisten Fälle lassen sich mit zwei Fragen zuordnen. Welche Behandlungen die Kasse bei Krampfadern zahlt, hängt von Ihren Beschwerden ab, nicht von der Fachrichtung des Arztes.
Haben Sie zu den Venenbeschwerden auch Schmerzen beim Gehen, kalte Füße oder einen schwer tastbaren Puls im Fuß?
Lassen Sie sich zum Angiologen überweisen. Er prüft Venen und Arterien gemeinsam, denn Kompression kann die Durchblutung zusätzlich einschränken, wenn die Arterien verengt sind.
Steht schon eine Operation der Stammvene an, weil der Venen-Ultraschall eine undichte Stammvene gezeigt hat?
Vereinbaren Sie einen Termin beim Gefäßchirurgen oder in einer Praxis, die Phlebologie und ambulante Operationen verbindet. Entscheidend ist, wer den Eingriff in Ihrer Region anbietet.
Der Phlebologe ist die richtige erste Adresse. Er untersucht Ihre Venen mit Ultraschall, verordnet Kompression und bespricht mit Ihnen die nächsten Schritte.
Wie kommen Sie zum passenden Termin?
Diese Reihenfolge spart Ihnen einen Umweg. Wer zuerst die Fachrichtung wählt und dann die Qualifikation prüft, landet seltener in einer Praxis, die den nötigen Eingriff gar nicht anbietet.
- Ordnen Sie Ihre Beschwerden ein: reine Venenbeschwerden, Warnzeichen einer Thrombose oder eine bereits festgestellte undichte Stammvene mit Wunsch nach einer Operation.
- Wählen Sie die Fachrichtung: Phlebologe, Angiologe oder Gefäßchirurg.
- Prüfen Sie die Zusatzbezeichnung Phlebologie bei der Ärztin oder dem Arzt, bei dem Sie den Termin buchen wollen.
- Buchen Sie den Termin über die 116117 oder direkt in der Praxis. Bei Verdacht auf eine Thrombose fragen Sie nach einem kurzfristigen Termin, nicht nach der nächsten Routinesprechstunde.
- Bringen Sie vorhandene Unterlagen mit: frühere Ultraschall-Berichte, die Liste Ihrer Medikamente und bei Kompressionsstrümpfen das letzte Rezept.
Häufige Fragen
Ist Phlebologe ein eigener Facharzttitel?
Nein, Phlebologe ist kein Facharzttitel, sondern eine Zusatzbezeichnung. Ärztinnen und Ärzte erwerben sie nach einem abgeschlossenen Facharzt, mit einer Weiterbildung unter Anleitung und einer Prüfung vor der Ärztekammer.
Was verlangt die Ärztekammer, damit ein Arzt sich Phlebologe nennen darf?
Für die Zusatzbezeichnung Phlebologie verlangt die Ärztekammer einen abgeschlossenen Facharzt, eine Weiterbildung bei einer befugten Ärztin, je 100 Ultraschalluntersuchungen der Venen mit zwei Verfahren und eine Prüfung. Die Dauer legt die Kammer des Bundeslandes fest.
Woran erkenne ich, ob eine Praxis wirklich einen Phlebologen hat?
Ein Praxisname wie Venenzentrum reicht als Nachweis nicht aus. Prüfen Sie den Namen der behandelnden Ärztin in der Arztsuche unter arztsuche.116117.de oder im Verzeichnis der Ärztekammer, oder fragen Sie in der Praxis nach der Qualifikation.
Brauche ich für Krampfadern einen Phlebologen oder gleich einen Gefäßchirurgen?
Für Untersuchung und Behandlung von Krampfadern reicht in aller Regel ein Phlebologe. Steht eine größere Operation der Stammvene an, übernimmt sie ein Gefäßchirurg oder eine Praxis, die ambulant operiert.
Was macht ein Angiologe anders als ein Phlebologe?
Ein Angiologe ist Facharzt für Innere Medizin und Angiologie und hat mindestens 72 Monate Ausbildung hinter sich. Er behandelt neben Venen auch Arterien und Lymphgefäße. Das zählt, wenn neben den Venen auch die Schlagadern erkrankt sind, etwa bei verengten Beinarterien.
Zahlt die Krankenkasse den Termin beim Phlebologen?
Ja, die gesetzliche Krankenkasse zahlt die Untersuchung beim Phlebologen, wenn es einen medizinischen Grund gibt, zum Beispiel Beschwerden oder eine Venenschwäche. Nur rein kosmetische Wünsche wie Besenreiser ohne Beschwerden zahlen Sie selbst.
