Hautärzteverzeichnis

Ratgeber

Wie wird ein offenes Bein am Unterschenkel behandelt?

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Ein offenes Bein durch kranke Venen behandelt die Praxis in vier Schritten: Sie prüft per Ultraschall die Venen, reinigt die Wunde, legt einen Kompressionsverband an und deckt die Wunde ab. Der Verband bringt die Heilung, nicht die Wundauflage. Danach schützt ein Kompressionsstrumpf vor einem Rückfall. Die Kasse zahlt Verband, Strumpf und Wundversorgung gegen eine Zuzahlung.

Rückfallquote nach dem Abheilen
bis zu 70 von 100 innerhalb von sechs Monaten nach dem Abheilen
Empfehlung der Fachärzte zum offenen Bein durch kranke Venen, AWMF-Register 037-009, Version 4.1, Abschnitte 1.2 und 1.7, Stand 30. Januar 2024
Rückfälle mit Kompressionsstrumpf
24 von 100 statt 54 von 100
Empfehlung der Fachärzte zum offenen Bein durch kranke Venen, AWMF-Register 037-009, Version 4.1, Abschnitt 5.1, Stand 30. Januar 2024
Zuzahlung für häusliche Krankenpflege
10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung
Sozialgesetzbuch V, häusliche Krankenpflege und Zuzahlungen, Stand 22. September 2026
Ein Gehstock lehnt an einem grünen Sofa, davor stehen bequeme Hausschuhe
Ein Gehstock neben einem Sofa, denn mit einem offenen Bein fällt das Gehen oft schwer. Bild: KI generiert.

Was ist ein offenes Bein und warum heilt es so schwer?

Ein offenes Bein ist eine Wunde am Unterschenkel, die nicht abheilt. Kommt sie von kranken Venen, nennen Fachleute sie Ulcus cruris venosum, also Geschwür am Unterschenkel durch kranke Venen. Die Venen können das Blut nicht mehr gut zum Herzen zurückbringen, der Druck in den Hautvenen bleibt dauerhaft hoch, und die Haut geht kaputt.

Bei Krampfadern mit schwerem Verlauf steht im Arztbrief die Stufe C6 für ein offenes Bein und C5 für ein abgeheiltes.

Eine gewöhnliche Wunde heilt, sobald sie sauber und geschützt ist. Beim offenen Bein bleibt der Druck in den Venen bestehen, solange ihn niemand senkt, und er schädigt laufend neues Gewebe. Deshalb reicht eine Wundauflage allein nie. Die tragende Behandlung ist die Kompression, ein fester Verband oder Strumpf, der von außen Druck auf das Bein ausübt und so den Venendruck senkt.

Den Verdacht stellt die Praxis meist schon beim Blick auf Lage, Rand und Grund der Wunde. Der Ultraschall der Venen (Duplex-Sonographie) sichert ihn, weil er zeigt, welche Vene das Blut zurückfließen lässt und ob auch die tiefen Beinvenen betroffen sind. Davon hängt ab, ob Kompression genügt oder zusätzlich die kranke Stammvene ausgeschaltet werden sollte.

Wie läuft die Behandlung eines offenen Beins ab?

Nach der Empfehlung der Fachärzte für Venenkrankheiten von Januar 2024 läuft die Behandlung meist so ab:

Die 5 Schritte der Behandlung
  1. Ultraschall und Blutdruck am Knöchel

    Die Praxis bestätigt mit dem Venen-Ultraschall, dass die Venen die Ursache sind. Sie misst außerdem den Blutdruck am Knöchel im Vergleich zum Arm (Knöchel-Arm-Index), um verengte Arterien auszuschließen, bevor sie einen Verband anlegt.

  2. Wunde reinigen

    Abgestorbenes Gewebe und Beläge entfernt die Praxis, damit die Heilung von einem sauberen Wundgrund aus beginnt.

  3. Kompression anlegen

    Ein Verband aus mehreren Schichten oder ein besonderes Strumpfsystem für offene Beine senkt den Venendruck. Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme. Ohne Kompression heilt die Wunde deutlich schlechter.

  4. Wunde abdecken

    Je nachdem, wie stark die Wunde nässt und in welcher Phase sie ist, wählt die Praxis eine passende Auflage. Ein festes Schema für alle gibt es nicht.

  5. Ursache behandeln

    Spätestens nach dem Abheilen prüft die Praxis, ob die kranke Vene durch Verödung oder Operation ausgeschaltet werden kann. Das senkt die Rückfallquote. Bei der Verödung bringt die Praxis die Vene mit einem Mittel zum Verkleben.

Wie lange dauert es, bis ein offenes Bein abheilt?

Eine feste Heilungsdauer nennt die Empfehlung der Fachärzte nicht, weil sie von der Größe der Wunde, dem Alter und der Mitarbeit bei der Kompression abhängt. Eine Studie untersuchte höchstens sechs Monate alte, eher kleine Wunden bei guter Mitarbeit. Nach 24 Wochen, also nach gut fünf Monaten, waren bei 75,4 von 100 Betroffenen die Wunden abgeheilt, die zunächst nur Kompression bekamen. Wer die kranke Vene früh ausschalten ließ, kam auf 85,6 von 100.

Das Schwierigste kommt nach dem Abheilen: Bis zu 70 von 100 Betroffenen bekommen innerhalb von sechs Monaten nach dem Abheilen wieder ein offenes Bein. Deshalb raten die Fachärzte nach dem Abheilen zu einem Kompressionsstrumpf, mindestens der Klasse I und mindestens bis zum Knie, auf Dauer. Wichtiger als die Stärke ist, dass Sie den Strumpf wirklich tragen. Sind die Venen nahe der Haut krank, soll die kranke Vene außerdem operiert oder mit Laser oder Radiowellen verschlossen werden.

In einer Studie mit 153 Betroffenen kam das offene Bein bei 24 von 100 mit wirksamem Kompressionsstrumpf zurück, bei 54 von 100 mit einem Vergleichsstrumpf ohne Wirkung.

Was zahlt die Krankenkasse beim offenen Bein?

Wundauflagen, Verbandmittel und die Kompression zahlt die Kasse, wenn Ihre Ärztin sie verordnet. Für Erwachsene ab 18 Jahren gilt eine Zuzahlung von 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, und zwar je Verbandmittel. Ab dem 1. Januar 2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro.

Reicht die Versorgung durch Angehörige oder die Praxis nicht aus, kann Ihre Ärztin häusliche Krankenpflege verordnen. Dann kommt ein Pflegedienst zum Verbandwechsel zu Ihnen. Dafür zahlen Sie 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung, und zwar für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr. Ab 2027 sind es 10 Prozent plus 15 Euro je Verordnung.

Bei Wundauflagen und Kompression zahlen Sie 5 bis 10 Euro dazu, ab 2027 7,50 bis 15 Euro. Bei häuslicher Krankenpflege sind es 10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Verordnung, für höchstens 28 Tage im Jahr. Bei der Operation der kranken Stammvene zahlen Sie ambulant meist nichts, im Krankenhaus 10 Euro je Tag, ab 2027 15 Euro. Ob die Kasse in Ihrem Fall zahlt, entscheidet sie im Einzelfall. Lassen Sie sich beraten, wenn sie ablehnt.

Das zahlt die gesetzliche Krankenkasse beim offenen Bein, und so viel zahlen Sie dazu (Stand 22. September 2026).
LeistungZahlt die Kasse?Ihre Zuzahlung
Wundauflagen und Verbandmittel mit RezeptJa10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Verbandmittel (ab 2027: 7,50 bis 15 Euro)
Kompressionsstrumpf oder KompressionsverbandJaStrumpf: Hilfsmittel, Zuzahlung je Hilfsmittel. Kompressionsbinden: Verbandmittel, Zuzahlung je Verbandmittel. Beides 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro (ab 2027: 7,50 bis 15 Euro)
Häusliche Krankenpflege für den VerbandwechselJa, mit ärztlichem Rezept10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung, für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr (ab 2027: plus 15 Euro)
Operation der kranken Stammvene gegen RückfälleJa, wenn die Vene nachweislich undicht istAmbulant meist nichts, im Krankenhaus 10 Euro je Tag (ab 2027: 15 Euro)

Was können Sie selbst für die Heilung tun?

Die Behandlung liegt nicht allein bei der Praxis. Fünf Gewohnheiten unterstützen die Kompression im Alltag.

  1. Tragen Sie den verordneten Verband oder Strumpf durchgehend, auch wenn er unbequem ist. Ohne Kompression heilt die Wunde schlechter.
  2. Bewegen Sie das Sprunggelenk regelmäßig, zum Beispiel mit Fußwippen. Die Wadenmuskeln pumpen dabei das Blut zurück Richtung Herz.
  3. Legen Sie das Bein mehrmals täglich hoch, über Herzhöhe, wenn Sie sitzen oder liegen.
  4. Fotografieren Sie die Wunde regelmäßig und notieren Sie, was Sie sehen. So können Praxis oder Pflegedienst die Größe vergleichen.
  5. Gehen Sie zu den vereinbarten Kontrollterminen, auch wenn die Wunde kleiner wirkt. Wer die Kompression zu früh absetzt, riskiert einen Rückfall.

Wann braucht das offene Bein eine Wundambulanz?

Nach sechs Wochen Behandlung sollte die Wunde besser aussehen. Bessert sie sich nicht, sucht die Praxis nach Komplikationen oder anderen Ursachen und zieht Gefäßmediziner oder Hautärzte hinzu. So verlangt es die Empfehlung der Fachärzte.

Ist die Wunde ungewöhnlich groß oder heilt sie nicht, überweist die Praxis in eine spezialisierte Wundsprechstunde (Wundambulanz) oder an eine gefäßchirurgische Praxis. Dort kommen Verfahren wie eine Hauttransplantation infrage, die über die normale Wundversorgung hinausgehen. Die Untersuchung, die Kompression und die tägliche Wundkontrolle bleiben Aufgabe einer Praxis mit Erfahrung bei Venenkrankheiten, zum Beispiel eines Phlebologen.

Gehen Sie zeitnah in die Praxis, wenn eines dieser Zeichen dazukommt:

  • Die Wundränder werden stärker rot, warm oder schmerzhaft. Das kann eine Infektion sein.
  • Zur Wunde kommen Fieber oder ein grippeähnliches Gefühl.
  • Die Wunde wird trotz regelmäßiger Kompression größer statt kleiner.
  • Es tritt plötzlich starker Geruch oder eitriges Sekret auf.
  • Sie können die verordnete Kompression wegen Schmerzen nicht mehr tragen.

Eine Überweisung in die Wundambulanz heißt nicht, dass die bisherige Behandlung falsch war. Sie ist der nächste vorgesehene Schritt, wenn Kompression und Wundversorgung allein nicht reichen.

Häufige Fragen

Was ist ein offenes Bein durch kranke Venen?

Ein offenes Bein durch kranke Venen ist eine Wunde am Unterschenkel, die durch eine langjährige Venenschwäche entsteht und ohne Behandlung der Ursache schlecht heilt. Der dauerhaft erhöhte Druck in den Venen schädigt die Haut von innen. Im Arztbrief steht dafür die Stufe C6.

Wie lange dauert es, bis ein offenes Bein abheilt?

Eine feste Dauer gibt es nicht, weil Wundgröße, Alter und die Mitarbeit bei der Kompression den Verlauf bestimmen. In einer Studie mit höchstens sechs Monate alten, eher kleinen Wunden und guter Mitarbeit waren nach 24 Wochen bei 75,4 von 100 Betroffenen mit Kompression allein die Wunden abgeheilt. Ohne Kompression heilt ein offenes Bein deutlich schlechter.

Wie hoch ist das Risiko, dass ein offenes Bein nach dem Abheilen zurückkommt?

Bis zu 70 von 100 Betroffenen bekommen innerhalb von sechs Monaten nach dem Abheilen wieder ein offenes Bein. Mit einem dauerhaft getragenen Kompressionsstrumpf sank die Rate in einer Studie von 54 auf 24 von 100. Wird zusätzlich die kranke Vene operiert oder verschlossen, sinkt sie nach Angaben der Fachärzte weiter.

Zahlt die Krankenkasse die Wundversorgung zu Hause?

Ja, verordnet die Ärztin häusliche Krankenpflege, übernimmt ein Pflegedienst den Verbandwechsel, und die Kasse zahlt die Kosten bis auf Ihre Zuzahlung. Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Verordnung, für höchstens 28 Tage im Kalenderjahr.

Warum wird ein offenes Bein nicht bei jedem sofort mit Kompression behandelt?

Ein straffer Kompressionsverband kann die Durchblutung des Beins weiter einschränken, wenn die Beinarterien stark verengt sind. Deshalb misst die Praxis vor dem ersten Verband den Blutdruck am Knöchel im Vergleich zum Arm.

Welche Wundauflage nimmt die Praxis bei einem offenen Bein?

Es gibt keine einzelne Wundauflage für alle offenen Beine. Die Praxis wählt die Auflage danach, wie stark die Wunde nässt und in welcher Phase sie ist. Die Kompression bleibt die tragende Behandlung, die Auflage ist nur die Ergänzung.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum, AWMF-Registernummer 037-009, Version 4.1, 30. Januar 2024, Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL) bei der AWMF,
  2. Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum: Wichtige praktische Aspekte der Rezidivprophylaxe, vasomed 1/25, Prof. Dr. med. Eva Maria Valesky, vasomed,
  3. § 37 SGB V Häusliche Krankenpflege, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  4. § 33 SGB V Hilfsmittel, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  5. § 61 SGB V Zuzahlungen, Fassung bis 31. Dezember 2026, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  6. Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung vom 24. Juli 2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228), Artikel 1 Nummer 23 Neufassung des § 61 SGB V ab 1. Januar 2027, Bundesgesetzblatt, Bundesministerium der Justiz,
  7. Verbandmittel-Erstattung: wirtschaftliche Verordnung, Bundesverband Medizintechnologie (BVMed),
  8. S2k-Leitlinie Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf, Version 5.1 vom 16. Juli 2026, AWMF-Registernummer 037-005, Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie bei der AWMF,

Wo künstliche Intelligenz zum Einsatz kam

Künstliche Intelligenz hat an diesen Seiten mitgearbeitet. Sie hat die wiederkehrenden Sätze zu Städten und Praxen formuliert, die Ratgeber und das Glossar mitgeschrieben, dafür Quellen gesucht und die Beitragsbilder erzeugt. Adresse, Telefonnummer und Website einer Praxis übernimmt dagegen ein festes Programm unverändert aus OpenStreetMap, ohne KI. Die Ratgeber nennen ihre Quellen und ersetzen keine ärztliche Beratung.

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Diese Angaben haben den Stand vom 27. September 2026.