Warum sollte eine aktinische Keratose behandelt werden?
Eine aktinische Keratose ist eine raue, schuppige Stelle auf Haut, die über Jahrzehnte viel Sonne abbekommen hat. Sie sitzt meist im Gesicht, auf der Kopfhaut oder am Handrücken. Sie gilt als Vorstufe des hellen Hautkrebses: Die veränderten Zellen sitzen noch in der obersten Hautschicht. Aus ihr kann ein heller Hautkrebs werden, der in tiefere Hautschichten wächst.
Wie oft das geschieht, schwankt in den Studien stark. Die Empfehlung, auf die sich die Fachärzte für diese Krankheit geeinigt haben, nennt Werte zwischen 0,03 und 20 Prozent je Stelle und Jahr. Gleichzeitig heilen 15 bis 63 Prozent der Stellen ohne Behandlung ab. Rund 60 Prozent der tiefer wachsenden Krebse gehen allerdings von einer solchen Stelle aus.
Weil sich nicht vorhersagen lässt, welche Stelle weiterwächst, sehen die Fachärzte bloßes Abwarten kritisch und empfehlen eine angemessene Behandlung. Ob und wie behandelt wird, entscheiden Ärztin und Sie gemeinsam. Diese Punkte zählen dabei:
- das Aussehen der Stellen, also Zahl, Dicke und Lage
- Risikofaktoren wie ein geschwächtes Immunsystem, etwa nach einer Organtransplantation, und frühere helle Hautkrebse
- Ihre Sonnenbelastung im ganzen Leben, zum Beispiel durch Arbeit im Freien
- Begleiterkrankungen und Lebenserwartung
- Ihr eigener Wunsch, auch zu Dauer, Aufwand und Nebenwirkungen der Behandlung
Welche Behandlungen gibt es gegen aktinische Keratosen?
Die Fachärzte empfehlen zwei Gruppen von Verfahren: Behandlungen einzelner Stellen und Behandlungen einer ganzen Hautfläche. Eine ganze Fläche wird behandelt, wenn viele Stellen vorliegen. Das gilt auch für ein ganzes Feld veränderter Haut, in dem sich einzelne Stellen nicht mehr abgrenzen lassen.
Die Behandlung dauert je nach Verfahren unter 1 Woche bis 6 Wochen und länger. Vereisung, Operation, Salbe mit Tirbanibulin, Lichttherapie und Peeling sind in unter 1 Woche erledigt. Cremes brauchen 1 bis 6 Wochen oder länger.
| Behandlung | Geeignet für | Dauer | Empfehlung der Fachärzte | Wer zahlt |
|---|---|---|---|---|
| Vereisung mit flüssigem Stickstoff | einzelne und mehrere Stellen | unter 1 Woche | empfohlen | Kassenleistung, keine Zuzahlung |
| Operative Entfernung (Abschaben, flaches Abtragen, Ausschneiden) | einzelne Stellen | unter 1 Woche | empfohlen | Kasse |
| Diclofenac-Gel 3 % | einzelne Stellen und ganze Fläche | 6 Wochen und länger | empfohlen | Kassenrezept mit Zuzahlung |
| 5-Fluorouracil-Creme 5 % oder 4 % | einzelne Stellen und ganze Fläche | 1 bis 6 Wochen | empfohlen | Kassenrezept mit Zuzahlung |
| 5-Fluorouracil 0,5 % mit Salicylsäure 10 % | einzelne Stellen und ganze Fläche | 6 Wochen und länger | empfohlen | Kassenrezept mit Zuzahlung |
| Imiquimod-Creme 5 % oder 3,75 % | mehrere Stellen und ganze Fläche | 1 bis 6 Wochen | empfohlen | Kassenrezept mit Zuzahlung |
| Tirbanibulin-Salbe 1 % | einzelne Stellen und ganze Fläche | unter 1 Woche | empfohlen | Kassenrezept mit Zuzahlung |
| Lichttherapie mit Rotlicht oder Tageslicht (PDT) | einzelne Stellen und ganze Fläche | unter 1 Woche | empfohlen | Keine Regelleistung, nur Kassen mit Vertrag |
| Chemisches Peeling | einzelne Stellen und ganze Fläche | unter 1 Woche | möglich | Kostenträger vorher klären |
| Laser, der die obere Hautschicht abträgt | einzelne Stellen und ganze Fläche | unter 1 Woche | möglich | Keine Kassenabrechnung vorgesehen, Kosten vorher klären |
Die Fachärzte empfehlen auch, Verfahren zu kombinieren, etwa eine dicke Stelle zu vereisen und danach die Fläche mit einer Creme zu behandeln. Welche Behandlung zu Ihnen passt, hängt auch von Dingen ab, die nur Sie beurteilen können. Schaffen Sie es, eine Creme über Wochen täglich aufzutragen, oder ist ein einzelner Termin in der Praxis besser?
Was zahlen Sie bei aktinischer Keratose selbst?
Die Kasse zahlt die Vereisung, die operative Entfernung und die zugelassenen Arzneimittel. Die Vereisung ist Kassenleistung, Sie zahlen nichts dazu. Cremes, Gele und Lösungen verschreibt der Hautarzt auf Kassenrezept. In der Apotheke zahlen Sie dafür die gesetzliche Zuzahlung, die zum 1. Januar 2027 steigt.
Bis Ende 2026 zahlen Sie je Packung 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Ab 1. Januar 2027 sind es mindestens 7,50 und höchstens 15 Euro. Bei einer Packung für 50 Euro steigt Ihre Zuzahlung von 5,00 auf 7,50 Euro, bei 160 Euro von 10,00 auf 15,00 Euro.
| Preis der Packung | Ihre Zuzahlung bis 31.12.2026 | Ihre Zuzahlung ab 1.1.2027 |
|---|---|---|
| 50 Euro | 5,00 Euro | 7,50 Euro |
| 95 Euro | 9,50 Euro | 9,50 Euro |
| 120 Euro | 10,00 Euro | 12,00 Euro |
| 160 Euro | 10,00 Euro | 15,00 Euro |
Die Lichttherapie PDT ist keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Einige Kassen übernehmen sie trotzdem über eigene Verträge mit teilnehmenden Hautärzten, etwa die Heimat Krankenkasse, die energie-BKK und die mkk. Bei allen anderen rechnet die Praxis privat ab.
Wer lange im Freien gearbeitet hat, hat einen dritten möglichen Kostenträger. Mehr als fünf Keratosen innerhalb von zwölf Monaten oder eine veränderte Fläche über 4 Quadratzentimetern können als Berufskrankheit 5103 anerkannt werden. Dann zahlt die gesetzliche Unfallversicherung die Behandlung ohne Zuzahlung.
Wie läuft die Lichttherapie bei aktinischer Keratose ab?
Bei der photodynamischen Therapie, kurz PDT, trägt die Ärztin eine Creme mit einem Wirkstoff auf, der die Haut lichtempfindlich macht, und belichtet die Haut danach. Die Fachärzte empfehlen zwei Formen: die klassische Behandlung mit rotem Licht in der Praxis und die Behandlung mit Tageslicht, die seit 2015 zugelassen ist. Bei der klassischen Form wirkte die Creme in den Studien drei Stunden unter einem Abdeckverband, danach belichteten rote Leuchtdioden die Fläche.
Lichtschutz auftragen
Die Haut bekommt zuerst einen chemischen Lichtschutzfilter.
Keratosen aufrauen
Die Ärztin raut dicke, verhornte Stellen an, damit der Wirkstoff eindringt.
Wirkstoff auftragen
Der Wirkstoff kommt dünn und großflächig auf Gesicht und Kopfhaut.
Zwei Stunden Tageslicht
Sie halten sich zwei Stunden draußen auf, bei geeignetem Wetter von März bis Oktober, über 10 Grad, ohne Regen. Bewölkter Himmel reicht.
Kontrolle der Abheilung
Die Praxis beurteilt später, ob die Keratosen abgeheilt sind. Die Studien werteten nach 12 Wochen aus.
Der Unterschied liegt vor allem im Schmerz. In zwei großen Studien heilten zwölf Wochen nach einer Sitzung mit Tageslicht in Australien 89 Prozent der Stellen ab, in Europa 70 Prozent. Mit Rotlicht waren es 93 und 74 Prozent. Die Tageslicht-Behandlung war damit nicht unterlegen. Die Schmerzen lagen auf einer Skala von 0 bis 10 bei Tageslicht bei 0,8 und 0,7, bei Rotlicht bei 5,7 und 4,4. Die niedrigeren Werte in Europa erklären die Fachärzte mit mehr mäßig dicken Keratosen und mehr Behandlungen auf der Kopfhaut.
Wie tragen Sie die Creme gegen aktinische Keratose auf?
Eine Creme wirkt nur, wenn Sie sie so lange und so oft auftragen, wie die Packungsbeilage es vorsieht. Die Zeiten unterscheiden sich stark:
- Tirbanibulin-Salbe: einmal täglich an 5 Tagen in Folge, auf bis zu 25 Quadratzentimetern.
- 5-Fluorouracil 5 Prozent: zweimal täglich, höchstens 4 Wochen.
- Imiquimod 5 Prozent: dreimal pro Woche über 4 Wochen.
- Diclofenac-Gel: zweimal täglich über 60 bis 90 Tage.
- 5-Fluorouracil mit Salicylsäure: einmal täglich, längstens 12 Wochen.
Rötung, Schuppung, Krusten oder kleine Wunden treten bei mehreren Wirkstoffen auf. Bei 5-Fluorouracil zeigen sich nach ein bis zwei Wochen meist Rötung oder wunde Stellen. Beim Diclofenac-Gel kommen Hautreaktionen wie Kontaktekzem, Rötung, Ausschlag, Schmerzen oder Blasen vor. Wie stark eine Reaktion sein darf, bevor Sie pausieren, legt die Praxis für Ihren Fall fest. So gehen Sie vor:
- Lassen Sie sich in der Praxis die Fläche zeigen, die Sie behandeln sollen, und notieren Sie Häufigkeit und Dauer.
- Fotografieren Sie die Fläche vor dem Start und einmal pro Woche, damit Sie Reaktionen beim Kontrolltermin zeigen können.
- Tragen Sie die Creme nur auf die besprochene Fläche auf und waschen Sie danach die Hände.
- Meiden Sie während der Behandlung Sonne. Beim Diclofenac-Gel verlangen die Fachärzte das ausdrücklich.
- Melden Sie sich in der Praxis, wenn Blasen, starke Schmerzen oder eine Entzündung über die Fläche hinaus auftreten.
- Nehmen Sie den Kontrolltermin wahr, auch wenn die Haut gut aussieht, weil verbliebene Stellen oft nur in der Praxis auffallen.
Senkt täglicher Sonnenschutz die Zahl neuer Keratosen?
In einer Studie ja. Die Fachärzte werten eine australische Studie mit 588 Menschen über 40 Jahren aus. Wer sieben Monate lang jeden Morgen Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 17 auftrug, bekam deutlich weniger neue Keratosen als mit einer Creme ohne Wirkstoff. Unter Sonnencreme traten 333 neue Keratosen auf, unter der Vergleichscreme 508. Das Risiko für neue Stellen lag damit um rund 38 Prozent niedriger. Die Studie war nicht verblindet, und 157 Teilnehmende brachen sie vorzeitig ab.
Nach einer Behandlung bleibt Ihre Haut gefährdet, denn auf sonnengeschädigter Haut entstehen weitere Keratosen. Ab 35 Jahren gehört die Untersuchung der ganzen Haut alle zwei Jahre zur kostenlosen Hautkrebsvorsorge. Eine neue raue Stelle, die blutet, wächst oder schmerzt, ist jederzeit ein Grund für einen Termin und dann Kassenleistung.
Häufige Fragen
Ist eine aktinische Keratose gefährlich?
Eine aktinische Keratose kann gefährlich werden, weil sie eine Vorstufe des hellen Hautkrebses ist, die auf die oberste Hautschicht beschränkt ist. Je nach Studie werden 0,03 bis 20 Prozent der Stellen pro Jahr zu einem tiefer wachsenden Krebs. Rund 60 Prozent dieser Krebse entstehen aus einer solchen Stelle. Deshalb empfehlen die Fachärzte in der Regel eine Behandlung.
Zahlt die Krankenkasse die photodynamische Therapie bei aktinischer Keratose?
Nein, die photodynamische Therapie ist keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Einige Kassen, etwa die Heimat Krankenkasse, die energie-BKK und die mkk, übernehmen sie über Zusatzleistungen oder Verträge mit teilnehmenden Hautärzten. Ohne Vertrag rechnet die Praxis privat ab und muss die Kosten vorher schriftlich nennen.
Welche Cremes gegen aktinische Keratose empfehlen die Fachärzte?
Die Fachärzte empfehlen gegen aktinische Keratosen Diclofenac-Gel 3 Prozent, 5-Fluorouracil-Creme 5 und 4 Prozent und 5-Fluorouracil 0,5 Prozent mit Salicylsäure. Dazu kommen Imiquimod-Creme 5 und 3,75 Prozent sowie Tirbanibulin-Salbe 1 Prozent. Alle gibt es auf Kassenrezept mit gesetzlicher Zuzahlung.
Wie lange dauert die Behandlung einer aktinischen Keratose mit Creme?
Die Behandlung einer aktinischen Keratose mit Creme dauert je nach Wirkstoff 5 Tage bis 12 Wochen. Tirbanibulin wird an 5 Tagen aufgetragen, 5-Fluorouracil 5 Prozent höchstens 4 Wochen und Imiquimod 5 Prozent 4 Wochen lang dreimal wöchentlich. Diclofenac-Gel braucht 60 bis 90 Tage, 5-Fluorouracil mit Salicylsäure bis zu 12 Wochen.
Muss eine aktinische Keratose immer behandelt werden?
Eine aktinische Keratose muss nicht in jedem Fall behandelt werden, die Fachärzte sehen bloßes Abwarten aber kritisch. Über die Behandlung entscheiden Aussehen und Zahl der Stellen, Risikofaktoren wie ein geschwächtes Immunsystem, Ihre Sonnenbelastung, Begleiterkrankungen und Ihr Wunsch. Eine Stelle, die trotz Behandlung bleibt, soll im Labor untersucht werden.
Ist die aktinische Keratose eine Berufskrankheit?
Eine aktinische Keratose kann als Berufskrankheit 5103 anerkannt werden. Nötig sind mehr als fünf Stellen innerhalb von zwölf Monaten oder eine Fläche über 4 Quadratzentimetern, und langjährige Arbeit im Freien muss die Ursache sein. Eine einzelne Keratose reicht nicht. Nach der Anerkennung zahlt die Unfallversicherung die Behandlung ohne Zuzahlung.
